Ich habe jetzt doch Solar-Strom

Gesamtlösung oder doch Einzelfall?

„Wissenschaftler werden irgendwann aufhören, sich mit Solarenergie herumzuschlagen, und ihre Bemühungen auf die einzige wirklich unbegrenzte Energiequelle auf dem Planeten konzentrieren: Dummheit.“
Scott Adams

Grundannahmen

Bevor ich ihnen meine Anlage erkläre, einige Vorabinformationen. Ich verbrauche im Durchschnitt jährlich etwa 3.500 kWh an Strom. Das heißt, im Schnitt benötige ich etwa 10 kWh Strom täglich. Für einen Zwei-Personen-Haushalt erscheint das möglicherweise viel. Es muss aber berücksichtigt werden, dass ich im Sommer meinen Schrebergarten bewässern muss. Und auch die Umwälzpumpe an meinem Pool verbraucht Strom.

Dafür bezahle ich derzeit etwa 1.500 Euro jährlich. Dass die Strompreise gegen alle Behauptung aus der Politik in Zukunft weiter ansteigen, ist für mich sicher. Solange wir noch Öl- und Gaskraftwerke betreiben müssen, wird die CO2-Steuer auch den Strompreis gnadenlos beeinflussen. Diese Annahme ist wichtig, wenn wir uns über die Amortisation einer solchen Anlage Gedanken machen.

Meine Anlage

Um meinen Stromverbrauch sicherzustellen, muss diese Anlage tagsüber 10 kWh an Strom erzeugen. Um eine kleine Reserve zu haben, sollte es sogar etwas mehr sein. Für die Nacht, da produzieren die Solarpaneele nämlich nicht, benötige ich dann einen Stromspeicher, der mindestens 5 kWh Strom speichern kann. Auch hier wäre eine kleine Reserve wünschenswert, ist in meinem Fall auch vorhanden.
Weiterhin ist zu beachten, dass die Leistung der Paneele bei entsprechenden Wetterbedingungen auf etwa 40 Prozent absinken kann. Meine Anlage hat Paneelen der vierten Generation, die schon bei normalem Tageslicht Strom erzeugen. Aber wie schon gesagt, eben nur noch 40 Prozent.

Meine Anlage hat 15 Solar-Paneele mit einer Nennleistung von je 435 Watt, also insgesamt gut 6.500 Watt. Bei voller Leistung bringt die also pro Stunde eine Strommenge von 6,5 kWh. Den täglichen Bedarf von 10 kWh kann ich also im Sommer schon in zwei Stunden, berücksichtigen wir noch etwaige Übertragungsverluste in drei Stunden erzeugen. Das heißt, im Sommer sollte meine Anlage völlig ausreichend sein.

Gehen wir mal von einem Wirkungsgrad von lediglich 30 Prozent aus. Im Winter kann das durchaus vorkommen. Dann bringt die Anlage nur noch eine Leistung von 1.950 Watt, das heißt, pro Stunde liefert die Anlage dann nur noch 1,95 kWh an Strom. Auch an den kürzesten Tagen im Winter hat der Tag etwa sieben Stunden. Das heißt, die Anlage produziert selbst dann mit gut 13 kWh noch ausreichend Strom. Selbst wenn die Leitung morgens oder abends noch schwächer ist, habe ich keine Bedenken, ich habe ja nach wie vor eine Reserve von drei kWh. Vielleicht muss man an extrem schlechten Tagen auf das Wäsche waschen verzichten. Das sollte aber kein Problem sein.

Die Kosten

Meine Anlage kostet etwa 23.000 Euro. Ob das zu teuer ist kann ich momentan nur schwer beurteilen. Es gibt da durchaus widersprüchliche Aussagen. Es soll Anlagen geben, die deutlich günstiger sind, ich habe von schon 17.000 Euro gehört. Ich habe aber auch schon von höheren Preisen gehört. Ein echter Vergleich ist außerdem nur dann möglich, wenn man die genauen Details der Anlagen kennt. Ich gehe also davon aus, dass solche Anlagen um die 20.000 Euro kosten.
Gehen wir in meinem Fall davon aus, dass die Anlage 23.000 Euro kostet. Da ich derzeit jährlich 1.500 Euro Stromkosten habe, wird sich die Anlage in gut 15 Jahren amortisiert haben.

Jetzt produziere ich im Sommer allerdings Überschüsse. Normalerweise wollte ich komplett vom öffentlichen Netz abgetrennt werden. Das geht allerdings aus rechtlichen Gründen nicht. Ich muss diesen überschüssigen Strom tatsächlich in das öffentliche Netz einspeisen. Dafür erhalte ich dann 0,8 Cent pro kWh als Vergütung. Das kann im Sommer schon eine ganze Menge sein. die Zeit bis zur Amortisation wird dadurch natürlich kürzer.

Kann diese Anlage eine Lösung für Deutschland sein?

Dazu müssen wir einfach einmal den Flächenbedarf dieser Anlage ermitteln. Ein Paneel hat eine Oberfläche von etwa 2 qm. Daraus ergibt sich, dass die Anlage insgesamt eine Fläche von 30 qm hat. Auf meinem Dach könnte ich eine weiter Anlage dieser Größe anbringen. Das heißt auf einem normalen Hausdach kann ich eine Anlage für zwei Wohnungen anbringen.

Nehmen wir jetzt einmal ein Hochhaus in Deutschland. Eine Anlage auf dem Dach deckt den Strombedarf für zwei Wohnungen. Somit wären also das Obergeschoss und das Geschoss darunter mit Strom versorgt. Alle Geschosse darunter können mit einer Solaranlage auf dem Dach nicht mehr versorgt werden. Je höher das Haus um so schlechter die Lage.
Sie erkennen es schon. Für Städte ist die Solaranlage auf dem Dach nicht die Lösung.

E-Autos

Wenn sie jetzt auch noch ihr E-Auto über die Anlage laden wollen, dann müssen sie eines wissen. Der Batteriespeicher ihres Autos ist deutlich größer als der Stromspeicher für ihr Haus. Je nach Modell haben E-Autos eine Speicherkapazität zwischen 20 und 100 kWh. Gehen wir im Schnitt von 50 kWh aus. Mal abgesehen davon, dass sie dann auch einen entsprechenden Stromspeicher im Keller haben müssen, sie dürften ihr Auto vorwiegend nachts laden, der Speicher muss ja auch gefüllt werden. Für 10 kWh benötigen sie für ihre Paneele 30 qm. Jetzt sollen aber noch zusätzlich 50 kWh produziert werden. Um auch im Winter sicher zu sein, brauche sie dann nochmals 150 qm Fläche für weitere Paneele. Dafür ist selbst mein Dach zu klein.

Noch etwas zu den Kosten

Das wirklich teure an solchen Anlagen sind die Speicher. Sie kennen es vielleicht schon von den E-Autos. Da kann der Stromspeicher je nach Größe schnell 10.000 Euro und mehr kosten. Ein popliger Akku für ein E-Bike liegt schon bei knapp 1.000 Euro. Das gilt natürlich auch für Stromspeicher bei Solaranlagen. Nach meinem Erkenntnisstand muss man für solche Stromspeicher etwa 1.000 Euro pro kWh rechnen. Kann mal weniger sein, kann aber auch mehr sein. Für meine Anlage bedeutet das, dass der Speicher allein gut ein Drittel der Gesamtkosten ausmacht.

Fazit

Für Ein- oder Zweifamilienhäuser kann so eine Anlage durchaus sinnvoll sein. Für Hochhäuser eignen sie sich nur bedingt.
Wenn sie aber auch noch ein E-Auto besitzen, dann dürfte es schon wieder schwieriger werden. Da wird dann die Dachfläche knapp.
Solaranlagen auf den Dächern sind somit eine Ergänzung, eine Gesamtlösung werden solche Anlagen aufgrund des Flächenbedarfs niemals werden. Und beachten sie bitte dies, ohne Stromspeicher leisten diese Anlagen nicht den geringsten Beitrag zum Umweltschutz.

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