Alle reden von Katastrophe

Aber eigentlich ist doch nur Winter

„Sommer ist die Zeit, in der es zu heiß ist, um das zu tun, wozu es im Winter zu kalt war.“
Mark Twain

Die Schneekatastrophe kommt

Erinnern sie sich noch? Es ist gerade einmal zwei Tage her, da warnten uns die Mainstreammedien vor einer aufkommenden Schneekatastrophe. Ja, es fiel in den letzten Tagen sehr viel Schnee. Drei Meter, nebeneinander. Zumindest für den Norden ungewöhnlich. Aber was war daran eine Katastrophe?

Es ist schon lange her, ich war fast vierzehn Jahre alt, da gab es mal sowas wie eine Schneekatastrophe. Da waren über Tage ganze Ortschaften von der Außenwelt abgeschnitten. Ich weiß noch, dass die Bundeswehr Bergepanzer eingesetzt hat, um die eine oder andere Zufahrt zu schaffen. Und das zog sich über Wochen. Wenn sie genaueres wissen wollen, Googeln sie einfach mal Schneekatastrophe 1978/79. Oder lesen sie bei Wikipedia. Ja, das war eine Katastrophe.

Aber die letzten zwei Tage? Die sind fast zu einer Katastrophe geworden, weil die öffentliche Hand nicht mehr in der Lage ist, solche Wetterlagen zu managen. Da gibt es zu wenig Kräfte, Streusalz ist knapp, in manchen Gemeinden wird Schnee nicht mehr geräumt, angeblich aus Gründen des Umweltschutzes. Ich glaube vielmehr, man will Kosten für den Räumdienst sparen.
Schule wird abgesagt, Busse fahren nicht mehr. Nein, die letzten zwei Tage waren keine Katastrophe, sie wurden zur Katastrophe gemacht.

Meine Erlebnisse in Nienburg

Sie wissen, ich bin Rentner. Gestern Morgen habe ich Schnee geschaufelt. Ware ziemlich anstrengend. Nach zwei Stunden war ich fertig. In jeder Beziehung. Allerdings bin ich so wenigstens mal vor die Tür gekommen. heute übrigens das Gleiche.

Meine Frau ist mit dem Bus zur Arbeit gefahren. Um 11.00 hat die Stadt dann den Busbetrieb eingestellt. Der Grund ist mir nicht so richtig klar. Denn so schlimm waren die Straßenverhältnisse nicht. Man musste halt langsam fahren.
Für uns war das nicht schlimm, weil ich freitags meine Frau immer von der Arbeit abhole und wir dann den Wocheneinkauf erledigen.
Die Straße waren natürlich nur marginal geräumt. Es waren zwar Räumfahrzeuge unterwegs. Man hatte allerdings das Gefühl, dass die erst um Neun angefangen haben. Trotzdem konnte man fahren. Ich kenne Regionen, da sind solche Straßenverhältnisse im Winter völlig normal. Aber in Deutschland? Naja, da ist ja sogar die Regierung eine Katastrophe. Nun denn.

Straßenverhältnisse

Ich hatte schon gesagt, meines Erachtens war es so schlimm gar nicht. Trotzdem gibt es im Landkreis einige Knackpunkte. Man mag es kaum glauben, es gibt hier einige kurze und steile Anstiege. Genau da sind dann die LKW liegen geblieben. Und was macht der Landkreis? Der sperrt diese Straßenabschnitte und bringt so den kompletten LKW-Verkehr zum Erliegen. Ich frage mich wirklich, warum man diese Stellen, und es sind wirklich nicht viele, nicht mit Vorrang räumt und abstreut. Dann hätte es auch dort nicht zu Komplikationen geführt. Dafür müsste es aber einen Räumplan geben, der eben auch Prioritäten festlegt. Und vielleicht muss man da auch schon früher anfangen. Ich meine ja nur so.

Die Bahn

Für die Bahn war es natürlich besonders schlimm. Obwohl die in den Sechzigern mit dem Slogan „alle reden vom Wetter, wir nicht“ geworben haben, haben die den Fernverkehr in den Norden ab Mittag komplett eingestellt. Okay, Züge die ausfallen, können sich nicht verspäten.
Als Begründung sagte ein Sprecher der Bahn, man wolle vermeiden, dass Züge auf offener Strecke liegen bleiben. Aha, lässt man sie lieber ausfallen. Sehr kundenfreundlich.

Ich weiß nicht, hat es das früher auch schon gegeben? Okay, ich kann mich noch an die Dampflokzeit erinnern. Die hat den Strom und die Wärme im Zug selbst produziert. Das ist bei E-Loks heute nicht mehr so. Wenn da der Strom ausfällt, wird es im Zug auch sofort kalt. Aber die Technik ist doch nicht stehen geblieben. Und ist es nicht möglich die Lokomotiven mit Räumschilden auszustatten die ihren Weg selbst freischieben. Das war doch schon im letzten Jahrhundert möglich. Die Fahrt wird dann halt etwas langsamer. Scheint alles nicht mehr zu gehen.

Zumindest hat man sogenannte Aufenthaltszüge in den größeren Bahnhöfen bereitgestellt. Mittlerweile scheint das bei der Bahn schon Normalität zu sein.
Sie kennen ja die vier Feinde der Bahn: Frühling, Sommer, Herbst und Winter.

Der ÖRD (öffentlich-rechtliche Dummfunk)

Der hat sich natürlich wieder einmal selbst übertroffen. Da wurde ständig vor Glätte gewarnt. Sagen sie mal, halten die uns für blöd? Bei Temperaturen unter null Grad und Schnee ist immer mit Glätte zu rechnen. Dafür brauche ich doch nicht das Fernsehen. Dann erklären die auch noch den Pinguin-Gang, sie wissen schon, diese kleinen Trippelschritte. Ich frage mich, was Menschen gemacht haben, als es noch kein Fernsehen gab. Also, ich wusste, wie ich mich bei solchen Verhältnissen zu bewegen hatte. Auch ohne diese schlauen Ratschläge. Ich bin bei solchen Verhältnissen sogar mit dem Fahrrad zur Schule gefahren. Okay, es war manchmal schon tricky, man musste halt vorsichtig sein. Gegangen ist es trotzdem.

Noch was Witziges

Gestern war Sportschau. Und da zeigte man Bilder aus den Wintersportgebieten in Italien. Da finden ja in Kürze olympische Winterspiele statt. Ich weiß nicht, wann die diese Bilder aufgenommen haben. Auf jeden Fall mangelte es an Schnee. Und natürlich musste der Klimawandel wieder einmal herhalten. Dass es vielleicht am regionalen Wetter liegen könnte, ist wohl ausgeschlossen. Da ersäuft Deutschland im Schnee, und in Italien bleibt er aus. Für unsere Qualitätsmedien ist das der Klimawandel. Ja, das ist einleuchtend.

Nun das Schöne

Ist es nicht herrlich, heute bei Sonne und Schnee spazieren zu gehen? Auch die Kinder freuen sich. Können endlich mal Schlitten fahren. Meine Enkelin hat sich sogar ein Iglu gebaut. Okay, der Papa hat einen Radlader. Damit wurde ein großer Schneehaufen aufgetürmt und danach ausgehöhlt. Habe ich früher mit meinen Kindern auch gemacht. Ich hatte nur nicht den Radlader.
Gestern ist auch ein Bauer aus der Nachbarschaft mit einem Trecker rumgefahren. Hatte einige Schlitten im Schlepp. Den Kindern hat das richtig Spaß gemacht.

Gemäß der Wetterprognose sieht es so aus, dass der Schnee auch länger liegenbleibt. Nach derzeitiger Vorhersage wird ab morgen sogar noch einiges hinzukommen. Ich bin mir sicher, die Kinder wird es freuen.

Zusammenfassung

Ich hoffe, dass die öffentliche Hand jetzt begriffen hat, wie man die Situation händelt. Sicher bin ich allerdings nicht. Es soll ja Leute geben, die darf man nicht in die Mittagspause schicken, weil sie sonst danach wieder anlernen muss.
Eines steht jedenfalls fest. Von einer Katastrophe war das noch weit entfernt. Allerdings macht man aus solchen Dingen gerne eine Katastrophe. Man kann das nämlich als Ausrede nutzen, um von eigenem Versagen abzulenken.
Ich kann nur wieder feststellen, bei uns vieles zur Katastrophe, weil wir verlernt haben, mit Schwierigkeiten umzugehen. Vielleicht sind wir auch nicht mehr in der Lage, Gefahren richtig einzuordnen. Zu diesem Thema werde ich noch einen extra Beitrag verfassen.

Kommentar verfassen