Mi-mi-mi-mi-mi, die Zweite

Beispiele zum sportlichen Versagen

Ein Versager ist ein Mensch, der einen Fehler gemacht hat, und nicht fähig ist, Nutzen aus der Erfahrung zu ziehen.“
Francis Ponge

Rückblick

Vorgestern hatte ich einen Bericht verfasst, der sich mit sportlichen Fehlleistungen und den Reaktionen im Netz beschäftigt hat. Ich habe dabei herausgearbeitet, dass Sportler wie auch Medien an diesen Reaktionen beteiligt sind. Ich habe allerdings auch festgestellt, dass ich nicht jede Reaktion gutheiße, aber durchaus Verständnis dafür habe.
Leistungssportler leben nun mal von ihrer Popularität, und die hat nun mal ihren Preis. Gestern, an einem einzigen Tag, hatten wir drei Beispiele, die in diesem Zusammenhang als Paradebeispiel dienen können.

Die Biathlon-Staffel der Frauen

Ich hatte gestern schon zu den Fehlleistungen von Franziska Preuß berichtet. Aufgrund ihres schwachen Nervenkonzepts hatten die Trainer sie in diesem Rennen nicht als Schlussläufer, sondern auf der zweiten Position eingesetzt. Und wieder war sie es, die eine Medaille verhinderte. Bei den Staffeln haben die Sportler die Möglichkeit, bei Fehlschüssen dreimal nachzuladen. Preuß hatten die nicht gereicht, sie musste in die Strafrunde. Und das ist dann ein Manko, was nicht mehr ausgleichbar ist. Die mögliche Medaille war weg.
Nun muss man zwei Dinge berücksichtigen. Biathlon galt bis vor etwa drei Jahren als die Medaillenschmiede für den deutschen Wintersport. Die Zeiten dürften für längere Zeit vorbei sein. Nach ihrem Weltcup-Gesamtsieg im Vorjahr wollte sie in der Olympia-Saison nochmal richtig angreifen. Die Saison verlief schon durchwachsen, die olympischen Spiele entwickeln sich zum Desaster. Die Erwartungen waren jedenfalls deutlich höher.

Und jetzt stelle ich mir die Frage, was erwartet man nun von den Fans. Auch die dürften tief enttäuscht sein. Aber soll man Preuß für ihr Versagen auch noch in Schutz nehmen? Natürlich helfen Spott und Häme nicht, sind vielleicht sogar unfair. Aber was erwartet die Frau denn?

Seit gut 12 Jahren ist sie im Weltcup unterwegs. Die wirklich großen Erfolge einer Magdalena Neuner oder Laura Dahlmeier konnte sie nie erreichen. Wäre es da nicht besser gewesen, nach dem Gewinn des Gesamtweltcups im letzten Jahr aufzuhören? Aber Olympia hat halt gelockt. Und wie heißt es so schön, wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.
In den Medien versucht man nun krampfhaft, das Scheitern schönzureden. Nicht die Strafrunde, sondern die vielen Fehlschüsse seien Ursache für das Scheitern. Nun ja, wer glaubt, dass die Fans das nicht durchschauen, der glaubt auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten.

Die Eishockey-Nationalmannschaft

Zum ersten Mal seit Jahren hat die NHL ihren Spielbetrieb während der olympischen Spiele unterbrochen. So waren alle NHL-Spieler für ihre Nationalmannschaften verfügbar. Die deutsche Nationalmannschaft verfügte so über neun NHL-Spieler. Von der stärksten Besetzung aller Zeiten war die Rede. Eine Medaille schien also vorgezeichnet. Aber schon in den ersten Spielen zeigte sich die Schwäche in der Abwehr. Es war also nur eine Frage der Zeit, wann man scheitern musste. Gestern war es dann so weit. Gegen die Slowakei bekam die deutsche Nationalmannschaft mit 2:5 eine regelrechte Klatsche. Die stärkste Besetzung aller Zeiten erhält eine Klatsche gegen die Slowakei. Ich bin mir sicher, die Reaktionen im Netz werden entsprechend sein.
Nur so nebenbei, in der slowakischen Mannschaft spielte meines Wissens nicht ein einziger NHL-Spieler.

Die Ski-Fahrerin Lena Dürr

Im alpinen Ski-Sport gehören die deutschen Sportler nun mal nicht zu den Superstars. Und man freut sich schon über kleine Erfolge. Gestern fand dann der Slalom der Damen statt. Und da erreichte Lena Dürr im ersten Lauf den zweiten Platz. Eine Medaille war in greifbarer Nähe. Und dann kam der zweite Lauf. Es wurde zum Desaster. Lena Dürr fädelt schon beim ersten Tor ein, ist raus. Ich wiederhole, die fädelt beim ersten Tor ein. Es sollte ihr letztes Rennen vor dem Karriereende werden. Und dann fädelt die am ersten Tor ein.

Wäre sie nach ihrem Lauf auf Platz vier zurückgefallen, kein Mensch hätte das kritisiert. Wir sind nun mal nicht Spitze. Aber Einfädeln am ersten Tor, da fällt einem nichts mehr ein. Das so wie, auf dem Klo in die Hose geschissen.
Die Reaktionen dürften entsprechend sein. Da hilft es dann auch nicht, dass so etwas schon einmal vorkommen kann. Die Wahrscheinlichkeit dafür liegt unter 1:1.000. Die sogenannte „last Chance“ so zu versemmeln, da ist der Spott vorprogrammiert. Oder sehen sie das vielleicht anders?

Zu Ende mal was Positives

Es gibt aber auch Positives. Gestern fand im Langlauf die Sprintstaffel der Frauen statt. Dort starteten Laura Grimmler und Coletta Rydzek für die deutsche Nationalmannschaft. Im Langlauf sind wir noch weiter von der Weltspitze weg als im Biathlon. Medaillen sind also noch unwahrscheinlicher. Allerdings gab es in den Sprintdisziplinen in der Vergangenheit immer wieder einmal kleinere Erfolge. Von einer Medaille spricht eigentlich keiner. Selbst Nationaltrainer Peter Schlickenrieder sagt, wenn wir da eine Medaille holen wollen, dann muss da schon einiges extrem gut laufen.

Und dann kommt das Finale. Die Favoriten kommen aus Schweden, Norwegen, Schweiz oder Finnland. Sicherlich nicht aus Deutschland. Und dann übersprintet Coletta Rydzek in einem unglaublichen Schlusssprint die Norweger und sichert sich den dritten Platz, die Bronzemedaille. Eigentlich hatten sie keine Chance, aber sie haben sie genutzt. Das ist das Holz, aus dem echte Helden geschnitzt sind. Selbst wenn sie nur vierter geworden wären, es hätte ihnen keiner übelgenommen. Nun bringen sie eine Medaille mit nachhause. Die Reaktionen im Netz dürften euphorisch sein. Und wenn ich ehrlich bin, zu Recht.

Fazit

Shitstorms sind unangenehm. Sie kommen aber nicht von alleine, sondern sie haben eine Ursache. In der Politik reicht es schon, wenn man für die falsche Partei schreibt.
Im Sport kommt es aber dazu, wenn Ergebnis und Erwartung weit auseinanderklaffen. An den Erwartungen sind auch die Medien schuld. An den Ergebnissen die Sportler höchst selbst. Und Reaktionen im Netz gehören nun einmal zur Prominenz. Wer das nicht möchte, kann auch einfach ein Handwerk lernen und dieses als Beruf ausüben. Kein Mensch wird zum Leistungssport gezwungen, nicht in Deutschland.
Also reißt euch zusammen ihr Jammerlappen.

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