Wir müssen mehr arbeiten um produktiver zu werden
„Verwechseln Sie Aktivität nicht mit Produktivität. Viele Menschen sind einfach damit beschäftigt, beschäftigt zu sein.“
Thomas Sowell – Wikipedia
Der Wirtschaft geht es schlecht
Mittlerweile ist es sogar in den Köpfen der Spezialdemokraten angekommen. Die Wirtschaft kommt einfach nicht in Schwung. Und wie es bei unseren Hochleistungspolitikern so üblich ist, wird weder nach Ursachen oder Lösungen gesucht, sondern ausschließlich nach Schuldigen. Dabei ist es ja klar, schuldig sind die Arbeitnehmer. Zu oft krank, zu viel Urlaub, zu viele Feiertage usw. Merz hat beim WEF geäußert, dass die Schweizer 200 Stunden im Jahr mehr arbeiten als wir Deutschen. Und Söder, die Wetterfahne aus Bayern, meinte, eine Stunde mehr pro Woche sollte doch kein Problem sein.
Also mehr arbeiten für eine höhere Produktivität. Mehrarbeit hebt das BIP und somit die Produktivität. Leider ist das eine Milchmädchenrechnung.
Das BIP
Das BIP ist eine volkswirtschaftliche Kennzahl, die den Gesamtwert aller Waren und Dienstleistungen angibt. Die Rechnungsperiode ist in der Regel ein Jahr. Natürlich beziehen sich diese Werte in der Regel auf ein Land. Man kann dabei natürlich auch größere Wirtschaftsräume zusammenfassen. Uns soll heute aber lediglich Deutschland interessieren.
Auf diesem Schaubild sehen sie, was alles zum BIP beiträgt.

Und jetzt suchen sie einfach mal die Posten, die unmittelbar mit Produktion zu tun haben. Eigentlich finden sie die nur in der linken Spalte bei „produzierendes Gewerbe“. Vielleicht könnte man da noch den Bereich „Handel, Verkehr, Gastgewerbe“ hinzunehmen. Das war es dann aber schon. Alle anderen Teilbereiche haben dann schon mit Konsum oder Verwaltung zu tun.
Das heißt, dort findet eigentlich keine echte Wertschöpfung mehr statt.
Was ich ihnen damit sagen will. Auch durch eine Aufblähung der Verwaltung, kann ich das BIP steigern. Mit einem Wirtschaftsaufschwung hat das dann aber nichts zu tun. Betrachten wir es einfach mal theoretisch. Stellen sie sich einen Staat vor, in dem nichts produziert wird. Streichen sie also in der Aufstellung die Werte für das produzierende Gewerbe. Dann erwirtschaftet der Staat eigentlich nichts mehr. Dienstleistungen und Konsum müssten dann unter Umständen kreditfinanziert werden. So, wie es derzeit in Deutschland passiert. Wenn man dann den öffentlichen Dienst noch entsprechend aufbläht, könnte man sogar eine Steigerung des BIP erzielen. Aber glauben sie wirklich, dass das auf Dauer gut geht?
Produktion und Produktivität
Lassen sie uns einfach mal zurück in die Mathematik gehen. Das was ich ihnen aufzeige, können sie mit einem einfachen Dreisatz berechnen.
Stellen sie sich einfach mal eine Autofabrik vor, rein exemplarisch. Die hat 100 Arbeiter, die produzieren pro Tag 10 Autos. Um seinen Umsatz zu erhöhen, stellt das Unternehmen weitere 100 Arbeiter ein. Somit produzieren 200 Arbeiter 20 Autos pro Tag. Und jetzt die Gretchenfrage: Hat sich im Unternehmen die Produktivität erhöht? Nein, die Arbeitsleistung der einzelnen Arbeiter ist nach wie vor unverändert.
Spielen wir nun einmal mit der Zeit. In unserem Beispiel arbeiten 100 Arbeiter 10 Tage im Monat. In diesen 10 Tagen produzieren sie also 100 Autos. Das ist dem Unternehmer zu wenig. Also erhöht er die Arbeitszeit. Die müssen ab jetzt 15 Tage im Monat arbeiten. Dabei produzieren sie jetzt insgesamt 150 Autos. Haben wir jetzt die Produktivität gesteigert? Auch diese Frage muss ich mit nein beantworten. Die Arbeitsleistung pro Tag bleibt bei allen Arbeitern gleich.
Was sich aber in beiden Fällen verändert hat, ist der Umsatz, der Auswurf von Produkten. Das hat Einfluss auf das BIP, allerdings nicht auf die Produktivität.
Nehmen wir jetzt einmal an, der Unternehmer modernisiert seine Fabrik, setzt neue Maschinen ein. Und schon können die 100 Arbeiter nicht mehr 10, sondern 15 Autos am Tag produzieren. Erkennen sie den Unterschied? Der Unternehmer kann nun bei Einsatz der gleichen Ressourcen, abgesehen von den notwendigen Rohstoffen, die 1,5- fache Menge an Autos produzieren. Das wäre dann eine echte Steigerung der Produktivität. Dass diese Produktivitätssteigerung aber nur Sinn macht, wenn man die Autos auch verkaufen kann, sei nur am Rande erwähnt.
Senkung der Produktivität
Betrachten wir noch einen weiteren Effekt. Nach wie vor produzieren 100 Arbeiter 10 Autos pro Tag. Natürlich gibt es in dem Betrieb eine Verwaltung. Nehmen wir einfach mal an, dass es sich um 5 Personen handelt. Dazu kommen dann noch Leute, die durch umfangreiche Gesetze erforderlich geworden sind. Dass es sich dabei teilweise um bodenlosen Schwachsinn handelt, ist nicht neu. Dazu kommt also noch ein Sicherheitsbeauftragter, Eine Genderbeauftragte, ein Beauftragter für das Lieferkettengesetz, ein Umweltbeauftragter und einen Datenschutzbeauftragten. Dieses Personal muss den Produktionsarbeitern zugerechnet werden. Jetzt produzieren 110 Arbeiter 10 Autos pro Tag. Und jetzt wird es interessant. Obwohl die Produktivität sinkt, steigt das BIP, weil Dienstleistungen mit eingerechnet werden.
Was will Merz
Merz will eine Steigerung des BIP. Denn eine Steigerung des BIP bedeutet gleichzeitig höhere Steuern und Sozialabgaben. Daher auch die Forderung nach längerer Arbeitszeit. Was er dabei allerdings vergisst. Nur mit Aufblähung von Verwaltung wird es keine dauerhafte Steigerung der Einnahmen geben. Dazu ist es notwendig, dass die hergestellten Produkte konkurrenzfähig und somit verkäuflich sind.
Das produzierende Gewerbe müsste also von allem Ballast befreit werden, der die Produktivität negativ beeinflusst.
Fazit
Auch wenn die Ursachen des wirtschaftlichen Niedergangs eigentlich bekannt sein sollten, werden sie krampfhaft geleugnet. Und selbst wenn Merz eine Änderung herbeiführen wollte, solange er sich dem kommunistischen Lager mit SPD und Grünen andient, wird eine Wende in der Wirtschaft nicht erreichbar sein. Mehrarbeit ist jedenfalls nicht die Lösung, sondern reine Augenwischerei.
Ob die Lebensarbeitszeit irgendwann verlängert werden muss, ist nicht Teil dieses Berichtes.
Links zum Thema
Bruttoinlandsprodukt (BIP) – Statistisches Bundesamt
Bruttoinlandsprodukt – Wikipedia
Das „Brutto-Sozial-Produkt“ ist ein falscher Maßstab.
Wenn der Professor seine Haushälterin heiratet, verringert sich das Brutto-Sozial-Produkt, obwohl sich an der „Produktivität“ des Systems „Professor-Haushalt“ nichts geändert hat.
Oder kann man sich eine einsame Insel vorstellen, auf der die Bewohner davon leben, sich gegenseitig die Wäsche zu waschen und die Haare zu schneiden?