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Leistungssport und Social Media

„Social Media ist, wenn dir mehr Leute auf die Nerven gehen, als du kennst.“
gefunden bei Kaufdex.com

Gestern bei der Sportschau

Es ist ja derzeit modern, Hassrede in den Social Mediea zu kritisieren. So auch während der, gestrigen Olympia-Berichterstattung im ZDF. Dort wurde über Hassposts gegenüber unseren Sportlern geredet. Dazu hatte man einen ehemaligen Leistungssportler eingeladen, der mir nicht einmal bekannt war. Die Wahl ist aber wohl auf den gefallen, weil er dem Mainstream nach dem Maul redet.
Wie dem auch sei, die Sportler würden in unzähligen Posts mit Hass und Hetze überzogen. Über Tausend solcher Posts gebe es schon, bei Einigen habe es sogar schon zu staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen geführt. Welche Anzahl sich hinter dem Begriff „Einige“ verbirgt wurde nicht gesagt. Und ob das Ermittlungsverfahren zu einer strafrechtlichen Verurteilung führt, weiß auch keiner.
Dessen ungeachtet, will ich mich mal mit dem Thema befassen.

Das Problem der Social Media

Grundsätzlich halte ich Social Media für einen Segen. Sie ermöglichen einen breiten Informationsaustausch, was bei den einseitigen Mainstream-Medien wirklich wichtig ist.
Auf der anderen Seite bergen sich da auch erhebliche Probleme. Immer dann, wenn es nicht mehr um Meinungsaustausch geht, sondern um Diskreditierung von Andersdenkenden. Das Problem ist dabei die Anonymität. Häufig kommt es zu Aussagen, die man niemals sagen würde, wenn man dem Betroffenen im Angesicht gegenübersteht. Dies Anonymität führt dann schon zu herben Aussagen, die mit dem eigentlichen Thema nichts mehr zu tun haben.

Social Media im Sport

Sportlern verschaffen diese Medien natürlich eine immense Reichweite. Das generiert logischerweise auch Werbeeinnahmen, ohne die manche Sportarten überhaupt nicht durchführbar wären. Es gibt durchaus Sportler, die über Werbungseinnahmen ihren Lebensunterhalt finanzieren. Dafür muss man aber ein absoluter Spitzensportler sein.
Dazu kommt aber auch, dass Sportler Social Media für ihre Selbstdarstellung nutzen. Nur so kann man Follower generieren. Und je mehr Follower, umso höher die Werbeeinnahmen.

Neid muss man sich verdienen – Mitleid bekommt man geschenkt

Natürlich gibt es immer Neider. Trotzdem bin ich überzeugt, dass erfolgreiche Sportler nur wenig von Hass und Spott betroffen sind. Ich bin mir auch sicher, dass schwächere Sportler, die aber bei einem großen Wettkampf ihre beste Leistung zeigen, nicht unbedingt Opfer von Spott und Häme werden.

Wenn aber Sportler groß angekündigt werden, als potentieller Goldmedaillengewinner, dann aber im Wettkampf noch nicht einmal in die Nähe einer Medaille kommen, dann dürfte denen der Spott sicher sein.

Ein Beispiel

In diesem Zusammenhang fällt mir beispielsweise Franziska Preuß ein. Die hatte im letzten Jahr überraschend den Gesamtweltcup gewonnen. Darauf hatte sie angekündigt, dass sie im Olympia-Jahr noch mal voll angreifen wolle. Jetzt ist die Saison für sie sowieso schon mager verlaufen. Aber zu Olympia wollte man wieder voll da sein.
Jetzt sind die ersten Rennen vorbei. Von Preuß ist nichts zu sehen. Im Gegenteil, bei der Mixed-Staffel hätte ihre Schießleistung fast noch dazu geführt, dass die deutsche Mannschaft leer ausgegangen wäre. Glücklicherweise hat es noch zu Bronze gereicht. Soll man sie dafür auch noch loben? Natürlich nicht. Über sie herfallen muss man aber auch nicht. Aber Kritik muss schon noch erlaubt sein.

Ob sie im Moment wirklich betroffen ist, weiß ich nicht. Ich gehe aber davon aus. Für Preuß kommen nun zwei Dinge zusammen. Diese Erfolglosigkeit geht mit Sicherheit nicht spurlos an ihr vorbei. Ihr Gemütszustand dürfte am Boden sein. Und dann fällt man noch in den Social Media über sie her. Nicht schön, aber der Preis der Prominenz.

Weitere Beispiele

Bei den Kombinierern dürfte es wohl auch nicht besser aussehen. Eigentlich waren die immer eine Medaillenschmiede. Und schon beim ersten Wettkampf gehen sie heute wohl leer aus. Bei den Ski-Springern das Gleiche. Nach der Goldmedaille von Raimund zu Beginn kam da nur noch heiße Luft. Zu Jubelstürmen wird das im Netz nicht geführt haben.

Die Mitschuld der Medien

Die Medien sind an diesem Dilemma nicht ganz unschuldig. Sie kennen das ja. Ein Reporter weiß ganz genau, wer morgen gewinnt. Und morgen kann er genau erklären, warum es so nicht gekommen ist.
Da werden teilweise schon Medaillengewinner kreiert, bevor der Wettkampf überhaupt stattgefunden hat. Das erzeugt logischerweise einen erheblichen Druck. Auch die Sponsoren, bzw. Werbepartner wollen Ergebnisse sehen. Wenn die nicht kommen, dann ist auch ganz schnell die Geldquelle weg.
Aber zurück zu den Medien. Ist ihnen eigentlich schon aufgefallen, was für blöde Fragen Journalisten stellen können. Anstatt einen Sportler nach seinem Misserfolg einfach mal in Ruhe zu lassen, wird er noch mit unsinnigen Fragen belästigt. „Haben sie eine Erklärung dafür, warum es heute nicht gelaufen ist?“ Da wäre meine Antwort, „wenn ich das wüsste, hätte ich mich anders verhalten.“ Liebe Leute, könnt ihr die Sportler in einer solchen Situation nicht einfach in Ruhe lassen?

Handys machen Stress

Ich besitze kein Handy. Mich erreichen Social Media nur sehr eingeschränkt. Können mich also auch nicht wirklich belasten. Facebook habe ich nur auf meinem Computer. Da schaue ich maximal eine Stunde täglich rein. Beispielsweise wenn ich jetzt den Beitrag gepostet habe. Ich muss nicht ständig im Netz präsent sein.
Wenn man aber die heutige Jugend sieht, da geht das Handy gar nicht mehr aus. Dass man dadurch für Mobbing oder scharfe Kritik anfällig wird, ist doch kein Wunder. Auch bei Sportlern sieht man das. Und denen kann ich nur empfehlen, lasst das Handy einfach mal aus.

Was kann man tun

In der Politik werden viele Möglichkeiten diskutiert. Was allen Möglichkeiten gleich ist, es handelt sich um unterschiedliche Formen von Zensur. Das halte ich für unterirdisch.
Ich bin der Meinung, man sollte weniger staatlich regeln, und den Nutzern mehr Verantwortung übertragen. Wer Prominent ist, der bietet nun mal Angriffsfläche. Wer aber bei Misserfolgen von den Fans auch noch Streicheleinheiten erwartet, der dürfte einem gewaltigen Irrtum unterliegen. Ich kann den betroffenen nur eines raten. Holt erst mal tief Luft, und lasst das Handy einfach mal aus. Wenn die Kameradschaft in der Mannschaft funktioniert, dann könnt ihr euch gegenseitig helfen. Die Social Media sind dafür definitiv nicht geeignet.

Schlusswort

Für Spitzensportler sind Social Media eine Möglichkeit, sich selbst zu präsentieren. Wer sich dabei aber als strahlender Sieger präsentiert, beim Wettkampf dann aber untergeht, darf sich nicht wundern, dass er dann Backpfeifen abbekommt. Das ist die Kehrseite der Medaille.

Eines sollte man aber nicht vergessen, die Spitzensportler haben das selbst gewählt. Viele Sportler haben so ihr Hobby zum Beruf gemacht. Dass da auch negative Dinge auftreten können, hätten sie wissen müssen. Gezwungen hat sie jedenfalls keiner. Klagt also nicht, wenn es mal so richtig einen in die Nuss gibt.

Noch eins. Ich höre immer wieder Aussagen, das Rennen habe Spaß gemacht. Wie schön für euch. Aber an olympischen Spielen nimmt man nicht teil, damit man Spaß hat. Dann könnte ich auch dahinfahren. An olympischen Spielen nimmt man teil, um Medaillen zu gewinnen. Und nur daran werden die Sportler gemessen.

Zum Abschluss noch ein Wort zu den Kommentaren im Netz. Sport ist eine emotionale Sache. Auch bei den Fans. Und bei Misserfolgen platzt es da schon einmal heraus. Mit scharfer Kritik muss der Spitzensportler schon leben, das gehört dazu. Beleidigung sind allerdings trotz aller Emotionen nicht hinnehmbar. Und wenn da strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet werden, stehe ich voll dahinter.
Ob aber die Bezeichnung „Lusche“ in diesem Zusammenhang schon eine Beleidigung ist, wage ich zu bezweifeln. Ich glaube nämlich auch, dass viele Sportler ganz schöne Mimosen sind. Mi-mi-mi-mi-mi.

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