Nach Venezuela – ist jetzt Grönland dran?
„Wenn sie keine Strategie haben, sind sie Teil der Strategie eines Anderen.“
Alvin Toffler
Trump dröhnt wieder
Dass Trump schon mehrfach sein Interesse an Grönland angemeldet hat, ist nicht neu. Natürlich überzieht er dabei ziemlich maßlos. Man würde das Thema auch militärisch denken, oder so ähnlich.
Die Europäer verfallen dabei logischerweise wieder einmal in die übliche Hysterie. Glauben allen Ernstes an eine Invasion der Amerikaner. Die üblichen Verdächtigen, man nennt sie auch die Koalition der Willigen, springen Dänemark sofort zur Seite. Hände weg von Grönland, heißt es lautstark. Allerdings ist es eben keine Koalition der Könnenden, die man aus amerikanischer Sicht ernst nehmen müsste.
Deshalb stellt sich die Frage, was Trump eigentlich erreichen will? Worum geht es ihm? Leider weiß ich das auch nicht. Aber ich will ihnen dazu meine Gedanken näherbringen. Ich bin auch schon in der Vergangenheit bei solchen Betrachtungen der Realität ziemlich nahegekommen. Vielleicht geling es mir auch dieses Mal.
Was die Europäer einfach nicht begreifen
Moralbesoffen legen die Europäer jedes Wort Trumps auf die Goldwaage. Dabei muss natürlich immer rauskommen, dass Trump böses ist. Die Qualitätsmedien stützen diese Fehleinschätzung willig, so dass unsere Spezialdemokraten ihre Fehleinschätzung nicht einmal wahrnehmen.
Trump trommelt. Durch seine Wortwahl, ich finde die auch nicht immer gut, erzeugt er Ängste und somit politischen Druck. Gleichzeitig zeigt Trump aber auch, dass er zu gewissen Taten durchaus bereit ist. Das haben uns die militärischen Aktionen im Iran und in Venezuela gezeigt. Dadurch bringt er sich immer wieder in günstigere Verhandlungspositionen. Das funktioniert besonders gegenüber Europa, bzw. der EU. Denn Trump weiß genau, dass die nicht gegenhalten können, weder wirtschaftlich noch militärisch.
Die strategische Lage Grönlands
Zunächst müssen wir uns das Nordpolarmeer genauer betrachten. Zwei Dinge sind dabei wichtig. Gerade die Randgebiete sind zumindest im Sommer komplett eisfrei.

Dadurch wird der Seeweg vom Atlantik zum Pazifik erheblich kürzer. Je nach Wetterlage sind diese Routen sogar im Winter nutzbar. Mittlerweile soll da ordentlich Verkehr sein. Ob der Nordpol jemals eisfrei sein wird, ist derzeit noch reine Spekulation. Somit ist auch die „Future Central Arctic Shipping Route“ noch reine Fiktion. Was in hundert Jahren einmal sein wird, das interessiert derzeit keinen Menschen.
Der zweite Punkt beleuchtet die Anrainer. Die größten Küstenabschnitte gehören zu Russland und Kanada. Amerika hat nur einen kleinen Abschnitt entlang der Küste Alaskas. Die Europäer kontrollieren letztendlich nur den Zugang zum arktischen Ozean zwischen den Küsten Norwegens und Islands. Grönland spielt dabei logischerweise auch eine Rolle, ist aber vom Dänischen Mutterland ziemlich weit entfernt. Dazu aber gleich mehr.
Vielleicht mal eine Randbemerkung. Können sie sich jetzt vorstellen, warum Island NATO-Partner ist? Militärische Fähigkeiten sind nicht der Grund.
Grönland
Grönland gehört zu Dänemark. Aber wirkliche Kontrolle übt Dänemark nicht aus. Mittlerweile haben die Grönländer sogar eine Teilautonomie erreicht. Insgesamt hat Grönland gut 56.000 Einwohner. Nur zum Vergleich, der Landkreis Nienburg hat etwa 120.000. Dementsprechend ist auch die Wirtschaftskraft gering, ohne Unterstützung von außen dürfte Grönland nicht überlebensfähig sein. Über eigenes Militär verfügen die Grönländer meines Wissens nicht.
Allerdings soll Grönland über reiche Bodenschätze verfügen, die mit heutigen Technologien gefördert werden könnten. Das ist sicherlich ein interessanter Faktor. Viel wichtiger, das glaube ich wenigstens, ist die strategische Lage am arktischen Ozean. Von Grönland aus kann man mit Fernaufklärern das ganze Polargebiert überwachen.
Einige Überlegungen
Sicherlich spielen die Bodenschätze eine Rolle. Aber dafür müsste man einfach mit Dänemark verhandeln. Vielleicht auch mit der EU. Das weiß ich nicht so genau. Ich glaube aber vielmehr, dass es Trump um den Zugriff auf den arktischen Ozean haben will. Den will er nicht den Russen überlassen.
Jetzt könnte man ja argumentieren, Man habe diese Kontrolle doch schon über die NATO. Dänemark ist NATO-Mitglied. Aber sind wir doch einmal ehrlich. Sollte irgendeine Großmacht mal mit dem Feuer spielen und Grönland unter seine Kontrolle bringen wollen, womit will Dänemark dann reagieren? Die dänischen Streitkräfte verfügen eben mal über gut 20.000 Soldaten. Natürlich haben die „Willigen“ Hilfe zugesagt. Aber Deutschland braucht drei Jahre, um eine Brigade in Litauen zu stationieren. Und die Fähigkeit, Truppen weiträumig zu verlegen, dürften in allen europäischen NATO-Ländern eher begrenzt sein. Am Ende muss dann sowieso der Amerikaner wieder herhalten.
Heute habe ich bei Facebook gelesen, dass Deutschland zwei Kriegsschiffe in Richtung Grönland in Marsch gesetzt hat. Angeblich um Grönland gegenüber Solidarität zu zeigen.
Bei weiteren Recherchen habe ich aber herausgefunden, dass es sich dabei um einen völlig normalen NATO-Einsatz im Rahmen des Schutzes strategischer Seewege handelt. Mit der Grönland-Polterei Trumps hat es absolut nichts zu tun. Näheres können sie hier nachlesen.
Vielleicht gehört Grönland schon den Amerikanern
Okay, völkerrechtlich ist Grönland ein Teil Dänemarks. Allerdings besitzen die Grönländer ein großes Maß an Autonomie. Soviel ich weiß, ist Grönland nicht einmal EU-Mitglied, hat wohl so einen Sonderstatus.
Was aber in der derzeitigen Lage viel wichtiger ist, die USA haben auf Grönland schon einige Rechte. So existiert da noch ein Vertrag von 1951. Dort hat man den Amerikanern im Zusammenhang mit dem Kalten Krieg erhebliche Befugnisse erteilt. Die USA betreiben da sogar noch einen Stützpunkt, die Pituffik Space Base.
Gemäß Mikkel Runge Olesen, Forscher am Dänischen Institut für internationale Studien, haben die USA in Grönland so freie Hand, dass sie eigentlich tun können, was sie wollen. Sie müssten einfach nur fragen (Näheres dazu bei AchGut und New_York Times). Da stellt sich dann die Frage, ob Trump das nicht weiß? Ich bin mir sicher, er weiß das. Aber wir kennen ihn ja. Erst mal einen raushauen, bei den Europäern Hysterie erzeugen und dann verhandeln. Hat bisher immer geklappt.
Zusammenfassung
Es ist wieder einmal typisch Trump. Erst mal den Lauten machen. Dann kann man verhandeln. Die Europäer verfallen in Hysterie, schwingen die Moralkeule. Mehr können sie nicht. Ich glaube fast, dass Trump das genau beabsichtigt. Grönland ist wohl nur Nebensache, da kann er eh machen, was er will.
Es läuft also wie immer. Trump agiert und die EU täuscht Reaktion vor. Die vermeintlichen Größen Merz, Macron und Starmer machen große Sprüche. Am Ende finden sich alle drei am Katzentisch wieder.
Jetzt bin ich mal gespannt, was bei der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar passiert. Trump wird nämlich kommen.
Weiterführende Links
Erst werden die Americas geordnet und dann die Welt
Der Fall Grönland: Wenn Brüsseler Schnappatmung auf Trumps Geopolitik trifft – Apollo News