Zwischen Größenwahn und Realitätsverweigerung

Die EU träumt von Zusammenhalt und Stärke

„Wirrköpfe scheinen häufig genug mit einer wahren Betonverschalung geschützt zu sein.“
Martin Gerhard Reisenberg

Die Geschichte in Kurzform

Es beginnt mit dem Handstreich in Venezuela. Die USA nehmen Maduro gefangen und führen ihn der amerikanischen Gerichtsbarkeit vor. Noch am selben Tag macht Trump deutlich, dass jetzt Grönland an der Reihe sei. Wir brauchen Grönland unbedingt. Ich habe über die strategische und wirtschaftliche Bedeutung Grönlands schon ausreichend berichtet. Dann sickert durch, dass auch ein militärisches Vorgehen nicht ausgeschlossen sei.

Die Europäer hyperventilieren. Setzen umgehend ein militärisches Erkundungskommando in Marsch. 15 deutsche Soldaten sind mit dabei. Mal abgesehen davon, dass das Ganze reine Symbolpolitik ist, Trump reagiert umgehend. Er droht mit weiteren Strafzöllen. Nochmals 10 Prozent mehr für alle Nationen, die sich an diesem militärischen Akt beteiligen.
Die Deutschen reagieren umgehend, ziehen ihre Soldaten schon nach zwei Tagen wieder ab. Kann es sein, dass man Angst hat. Oder ist endlich Weisheit vom Himmel gefallen, man hat die Sinnlosigkeit dieses Unterfangens erkannt? Dem Grunde nach ist es egal.

Der WEF in Davos

Was zwischenzeitlich so alles verhandelt worden ist, weiß keiner. Das Einzige was alle mitbekommen, ist die Empörung über die Dreistigkeit Trumps. Auf dem WEF redet Trump. Einer der ersten Ankündigungen ist, er schließe jegliche militärische Aktion gegen Grönland aus. Natürlich macht er weiterhin deutlich, wie sehr ihm Grönland am Herzen liegt. Nach Meinung der deutschen Medien hat Trump klein beigegeben. Die EU verkündet das gleiche. Der Große Zusammenhalt der EU und ihre Stärke haben dazu geführt, dass Trump nachgeben musste. So sehen es halt die Politidioten der EU.
Über die Einigkeit der EU-Staaten will ich nicht reden. Eine wirkliche Einigkeit ist das letzte, was in der EU existiert. Aber über die Stärke der EU sollten wir doch einmal reden.

Die Stärke der EU

Stärke kann man in verschieden Faktoren unterteilen. Da ist zum einen die militärische Stärke zu berücksichtigen, die wirtschaftliche Stärke sollte aber auch nicht vernachlässigt werden. Ob es noch andere Machtfaktoren gibt, sollen andere beurteilen. Es ist meines Erachtens auch egal, weil die genannten Faktoren die entscheidenden sind.

Stärke in der Wirtschaft

Die Wirtschaftsräume der EU und der USA sind ähnlich groß, und damit durchaus vergleichbar. Trotzdem verzeichnen die USA ein Wirtschaftswachstum von etwa vier Prozent. In der EU ist das Wirtschaftswachstum deutlich geringer, in Deutschland beispielsweise gerade einmal bei 0,2 Prozent. Berücksichtigt man dabei, dass dieses Wachstum mit Masse kreditfinanziert ist, dann sieht das noch ganz anders aus. Darüber hinaus erstickt unser produzierendes Gewerbe mittlerweile im Bürokratiedschungel. Auch bei Energie ist trotz Subvention des Industriestrompreises keine wirkliche Entlastung erkennbar. Die deutsche Wirtschaft zeichnet sich durch steigende Insolvenzen und Abwanderung der Großproduktion aus. Eine Veränderung ist derzeit nicht absehbar.

Die USA haben sich erst einmal von der Energiewende verabschiedet. Energiepreise sind niedrig. Durch Trumps Steuerpolitik scheinen viele Unternehmen wieder in den USA produzieren zu wollen. Ob sich das alles so entwickelt, wie gewünscht ist nicht absehbar. Jedenfalls ist das Wirtschaftsklima in den USA deutlich besser.
Andere Wirtschaftsmächte wie China und mittlerweile auch Indien sehen sich auf dem Vormarsch. Aufgrund vieler Ursachen kann in diesen Ländern deutlich billiger produziert werden als in der EU. Somit sind europäische Güter auf dem Weltmarkt nicht mehr konkurrenzfähig. Ganz besonders merkt das die Autoindustrie sowie der Maschinenbau. Auch die chemische Industrie leidet, baut Produktion in der EU massiv ab.

Aufgrund einer völlig irren Energiepolitik, aufgrund irrsinniger Umweltauflagen und aufgrund einer überbordenden Bürokratie wird die Wirtschaft in der EU regelrecht erdrückt. Zölle, in der EU nennt man das Umwelt-Ausgleichszahlungen, treiben die Preise in der EU massiv nach oben. Das führt beim Kunden zu einer erheblichen Kaufzurückhaltung. Eine wirtschaftliche Erholung über den Binnenmarkt ist somit auch nicht erwartbar.
Trotzdem hält sich die EU nach wie vor als Wirtschaftsmacht. In Realität dürfte es sich aber nur um einen Scheinriesen handeln, der von Keinem mehr ernst genommen wird.

Die militärische Stärke

Die Nato verfügt etwa über 3,44 Millionen Soldaten. 1,33 Millionen kommen dabei allein aus den USA. Die kanadische Armee kann vernachlässigt werden. Auf die europäischen Streitkräfte fallen dann also 2,1 Millionen Soldaten. Wenn wir aber über die EU reden, sollten wir den türkischen Anteil noch abziehen. Somit verbleiben für die EU-Streitkräfte in Stärke von etwa 1,8 Millionen Soldaten. Das sieht im Vergleich zu den USA nach einem stärkemäßigen Vorteil aus. Wir sollten aber berücksichtigen, dass die europäischen Streitkräfte keiner einheitlichen Führung unterliegen. Selbst die Ausstattung der Streitkräfte ist höchst unterschiedlich.

Über strategische Fähigkeiten verfügen Streitkräfte in der EU so gut wie nicht. Sieht man mal von den wenige Atomsprengköpfen Frankreichs und Englands ab. Richtig deutlich wird das bei Flugzeugträgerverbänden. Da hat Frankreich einen mickrigen im Vergleich zu den USA. Aber abgesehen, dass die Träger der USA groß sind, es sind auch derer 11.
Zuletzt spielt noch eine große Rolle, dass der politische Wille, im Fall der Fälle Streitkräfte einzusetzen, in Europa eher gering ausgeprägt ist. Das spiegelt sich auch in einer Aussage von Merz nach dem Angriff auf den Iran wider. Dort sagte er, dass Israel und die USA die Drecksarbeit für die Europäer verrichten würden.
Unter diesen Umständen würde ich die EU nicht unbedingt als Militärmacht bezeichnen. Zahnloser Tiger trifft es wohl besser.

Trumps Position in Grönland

Nach all dem Hick-Hack ist es aber interessant, was dabei rausgekommen ist. Ist es denn nun wirklich so, dass Trump klein beigegeben hat?
Die Europäer glauben das zumindest. Wer aber Trump kennt, der weiß, dass der zunächst einmal mit Maximalforderungen anfängt. Diese begleitet er teilweise mit wüsten Drohungen. Ich bin mir sicher, dass dem bewusst ist, dass er seine Forderungen selten komplett durchsetzen kann. Aber darum geht es im wohl gar nicht. Betrachten wir einfach mal die Ergebnisse.

  1. Den Europäern ist klar geworden, dass Grönland strategisch eine wichtige Rolle spielt. Allein der blinde Aktionismus mit den Erkundungskommandos beweist, dass die Europäer sich ihres Versagens bewusst geworden sind. Und es steht zu befürchten, wenn die Europäer nicht in die Pötte kommen, dass Trump doch noch die Initiative ergreift. Und so hat die EU schon verkündet, ein größeres Augenmerk auf Grönland zu legen. Dies soll auch militärisch geschehen. Sogar Eisbrecher hat v. d. Leyen schon ins Gespräch gebracht. Für Trump bedeutet das, dass er weniger Aufwand betreiben muss.
  2. Gleichzeitig hat man signalisiert, dass man den USA größere Freiheiten bei der Stationierung von Streitkräften genehmigen will. Dazu soll der seit 1951 bestehende Vertrag zwischen Dänemark und den USA überarbeitet werden. Dieser Vertrag gewährt den Amerikaner schon enorme Zugeständnisse. Es ist davon auszugehen, dass diese in einem neuen Vertrag nicht beschnitten, sondern im Gegenteil ausgeweitet werden.
  3. Auch zur Ausbeutung von Bodenschätzen soll es eine Einigung geben. Wie immer diese lautet, die Amerikaner werden auch hier ordentliche Zugeständnisse erhalten. In diesem Zusammenhang dürfte dann auch die EU als Verhandlungspartner wieder eine Rolle spielen. Aber das dürfte Trump nicht wirklich beeindrucken.

Zusammenfassung

Auch wenn die Europäer, insbesondere die EU, dröhnen, sie hätten Trump Zugeständnisse abgerungen, dann dürfte das ein großer Irrtum sein. Ich glaube vielmehr, dass Trump viel gefordert, wenig erwartet, aber mehr bekommen hat. Um das aber zu erkennen, fehlt es den abgehobenen EU-Fuzzies dann doch an der nötigen Kompetenz.
Unterm Strich bleibt wieder einmal festzuhalten, der Trump weiß, wie es geht. Und das gilt es zu begreifen, auch wenn man den Typen nicht mag. Ich selbst finde den Typen eigentlich auch unmöglich, aber der Erfolg gibt ihm recht.

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