Natur ist grausam und ungerecht (2)

Stärke durch Reproduktion

„Meine Mutter ist schwer enttäuscht von mir, weil meine Reproduktionszahl weiterhin unter eins liegt.“
Autor unbekannt

Nachdem ich beim letzten Mal über Stärke durch Widerstandsfähigkeit gesprochen habe, möchte ich mich heute über die Stärke durch Reproduktion auslassen.
Wie alles in der Natur unterliegt auch die Population von Lebewesen dem Prinzip des natürlichen Gleichgewichts. Und wir wissen, jedes Lebewesen hat zunächst ein einziges Ziel, die Erhaltung der eigenen Art. Im Allgemeinen ist es so, dass für jedes Wesen, welches stirbt, ein neues geboren werden muss. Dann bleibt die Population stabil.

Ich werde mich in meinen Beispielen der Tierwelt bedienen. Letzendlich treffen meine Betrachtungen aber auch auf die Pflanzenwelt zu.

Nahrungsangebot

Eine begrenzende Größe für eine Population ist das Nahrungsangebot. Wird die Population zu groß, dann verknappt sich die Nahrung. Viele Nachkommen werden nicht mehr durchgebracht. Aber auch ausgewachsene Tiere werden verhungern. Erkennen kann man das sogar bei uns zuhause. Ich erlebe immer wieder, dass in der Brutzeit von Schwalben gerade geschlüpfte Vögel unter dem Nest liegen. Sie können von den Eltern nicht versorgt werden und werden aus dem Nest geschubst. Ob das die Eltern oder die Geschwister sind, wer weiß das schon. Das ist brutal, aber überlebensnotwendig.
Auch bei Störchen kann man das beobachten. Haben wir trockene Jahre, dann ist das Futter knapp, maximal ein Junges wird durchgebracht. In feuchten Jahren, Frösche und ähnliches sind ausreichend vorhanden, werden auch schon mal bis zu drei Jungtiere durchgebracht.

Fressfeinde

Jetzt ist aber das Futterangebot nicht die allein bestimmende Größe. Eine große Rolle spielt auch die Tatsache, an welcher Stelle der Nahrungskette das Lebewesen steht. Betrachten wir das mal aus der Sicht eines Kaninchens. Mal abgesehen, dass auch für Kaninchen das Nahrungsangebot nicht unendlich ist, so haben diese auch noch eine Unzahl von Fressfeinden. Fuchs, Dachs, Luchs, um nur einige zu nennen. Aber auch größere Raubvögel gehören dazu. All diese tragen zu einer Dezimierung der Art bei.

Die Reproduktion

Ausgeglichen wird dieser Nachteil durch eine höhere Reproduktionsrate (R). Kennen wir die nicht irgendwoher?
Unsere heimischen Wildkaninchen werfen bis zu fünfmal im Jahr bis zu neun Jungtiere. Allerdings ist die Sterblichkeit dieser Tiere sehr hoch, und zu den Feinden habe ich schon alles gesagt.
Bei größeren Tieren ist diese Rate deutlich geringer. Pferde haben eine Tragezeit von knapp einem Jahr, Elefanten von knapp zwei Jahren.

Wie sie sehen, gibt es viele Automatismen in der Natur, die zu einem natürlichen Gleichgewicht beitragen. Ich will absolut nicht behaupten, dass das immer human ist. Ganz im Gegenteil, Natur ist grausam und ungerecht. Zumindest das Kaninchen wird es so sehen.

Und wie sieht das bei Viren aus?

Viren sind an sich keine Lebewesen. Ohne eine Wirtszelle können sie nicht überleben und sich nicht vermehren. Ob die Zelle beim Menschen gesucht wird oder bei anderen Lebewesen, hängt vom Virustyp ab. Das schlimmste, was einem Virus passieren kann, ist, dass der Wirt stirbt. Dann stirbt das Virus unweigerlich mit. Für ein Virus ist es optimal, wenn der Wirt es gar nicht bemerkt. Dann wird dieses Virus nicht bekämpft und der Wirt bleibt erhalten. Es gibt solche Viren.

Besonderheit Mensch

Das einzige Lebewesen, das dieses Gleichgewicht massiv stört, ist der Mensch.
Und das hat gleich mehrere Gründe.

Erstens kann er durch seine geistigen Fähigkeiten Tiere domestizieren. Darüber hinaus hat er gelernt, Ackerbau zu betreiben. Und er hat gelernt, Tier- und Ackerprodukte zu konservieren und zu lagern. Somit stehen dem Menschen, abgesehen von einigen wenigen Regionen dieser Erde, immer ausreichend Nahrungsmittel zu Verfügung.

Zweitens hat er gelernt, sich Waffen herzustellen, die er zum Schutz gegen Feinde einsetzen kann. Somit hat er letztendlich keine natürlichen Feinde mehr.

Drittens hat er gelernt, dass durch medizinischen Errungenschaften viele Krankheiten keine Rolle mehr spielen.

Eine ganz wesentliche Errungenschaft war aber die Entdeckung des Feuers. Jetzt konnte der Mensch seine Lebensumstände deutlich verbessern, heizen, Nahrung kochen usw. Dadurch ist die Lebenserwartung der Menschen in den letzte 100 Jahren von etwa 50 auf gut 80 Jahre angestiegen. Tendenz weiterhin steigend.

Das führt dazu, dass die Weltbevölkerung trotz geringer Reproduktionsraten (in den westlichen Nationen teilweise unter 1) deutlich ansteigt.

Fazit

Wenn der Mensch die Lebenserwartung immer weiter erhöht, gleichzeitig aber die Reproduktionsrate nicht massiv verringert, dann wird er über kurz oder lang das natürliche Gleichgewicht komplett außer Kraft setzen.
Und wenn es dann schon ein Drama ist, wenn wenige Menschen an einer Krankheit wie CoViD-19 sterben, dann gehen wir einer brutalen Zukunft entgegen. Söders Aussage, „Jeder Tote ist einer zu viel“, spricht Bände.

Mehr Menschen brauchen mehr Raum, brauchen mehr Nahrung, produzieren mehr Kohlendioxid. Irgendwann kommt der Zeitpunkt, wo die Menschheit sich nur noch selbst reduzieren kann. Hoffentlich finden wir bis dahin humane Lösungen. Ansonsten werden sich wieder einmal Menschen gegenseitig die Köpfe einschlagen. Dass sie das können, haben sie schon mehrfach bewiesen. Die Waffen dafür haben sie schon.

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/185394/umfrage/entwicklung-der-lebenserwartung-nach-geschlecht/

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