Verkehrsminister will billigeren Führerschein
„Es stimmt nicht, dass alles teurer wird, man muss nur einmal versuchen, es zu verkaufen.“
Robert Lembke
Der Führerschein ist teuer
Wenn sie heute den Führerschein der Klasse B erwerben wollen, dann geht das ganz schön ins Geld. Ich weiß es nicht genau, aber drei- bis viertausend Euro werden sie heute schon berappen müssen.
Das hat Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) nun auch für den Wahlkampf entdeckt. Preise zum Erwerb einer Fahrerlaubnis seien so in die Höhe gegangen, dass viele Junge Menschen sich das nicht mehr leisten können. Man müsse also Maßnahmen ergreifen, damit der Führerschein wieder bezahlbar wird.
Einzelne seiner Vorschläge werde ich später aufgreifen. Zunächst will ich aber einmal prüfen, ob der Erwerb der Fahrerlaubnis wirklich so teuer geworden ist.
Ist der Führerschein wirklich teurer geworden?
Ich habe meinen Führerschein der Klasse III, das entspricht der heutigen Klasse B, im Jahr 1977 erworben. Damals hat mich das alles in allem 800 Mark gekostet. In Euro umgerechnet wären das rund 400. Geht man davon aus, dass sich Preise selbst bei moderater Inflation innerhalb von 20 Jahren verdoppeln, dann würde der Führerschein heute mindestens das Fünffache kosten. Wir reden also von etwa 2.000 Euro. Was wir aber in meinem Fall berücksichtigen müssen, ich habe lediglich 14 Fahrstunden benötigt und auch die Prüfung auf Anhieb geschafft.
Meine Frau hat den Führerschein fünf Jahre später erworben. Dazu ist sie einmal durch die Prüfung gefallen. Da kostete der Führerschein dann schon 1.200 Mark. Rechnet man das auf die heutige Zeit hoch, dann ist man schon bei 3.000 Euro. Und meine Frau gehört damit noch nicht einmal zu den Schwächeren.
Ich hatte in meiner Fahrschulgruppe auch Leute, die schon damals deutlich mehr als ich berappen mussten. Ich meine, da wäre eine dabei gewesen, die mehr als 40 Fahrstunden gebraucht hat. Dazu brauchte sie für die Prüfung drei Anläufe. Das hat natürlich die Kosten massiv nach oben getrieben. Die dürfte schon damals 2.000 Euro berappt haben. Umgerechnet auf heute wären das um die 5.000 Euro.
Ich glaube schon, dass der Führerschein heute teurer ist als damals. Ich glaube aber nicht, dass die Unterschiede gravierend sind. Eines dürfte jedenfalls klar sein. Die CO2-Bepreisung hat auch Einfluss auf die Preise für die Fahrstunden. Das hat die Führerscheinpreise logischerweise nach oben getrieben.
Wir sollten aber auch festhalten, dass die jungen Leute heute deutlich mehr Geld zu Verfügung haben, als das zu meiner Zeit war.
Wie habe ich den Führerschein finanziert?
1977 konnte ich nicht erwarten, dass meine Eltern mir Geld dazugegeben hätten. Ich bin in einer Arbeiterfamilie mit drei Kindern aufgewachsen. Da war Geld eigentlich immer knapp. Also habe ich mir in den Sommerferien einen Job gesucht. Dabei habe ich das Glück gehabt, dass ich in einem Betrieb untergekommen bin, der gut bezahlt hat. Im ersten Jahr hatte ich das Geld für den Führerschein zusammen. Im zweiten Jahr wurde dann für das erste Auto gespart. Was ich damit sagen will, ich habe mir den Führerschein ohne jegliche fremde Hilfe finanzieren müssen. Zuschuss von Oma? Vergessen sie es. Die gehörten zur Kriegsgeneration, die hatten auch nicht viel.
Pflichtstunden
Es wird ja gerne argumentiert, dass man heute deutlich mehr Pflichtstunden zu absolvieren hätte. Bedauerlicherweise ist das falsch.
Gesetzlich vorgeschrieben sind 14 Doppelstunden (90min) Theorie und 12 Stunden (45 min) Praxis. Diese teilen sich auf in 5 Stunden Bundes- und Landstraßen, 4 Stunden Autobahn und 3 Stunden bei Dunkelheit.
Das war auch schon 1977 so. Die Pflichtstunden sind also nicht mehr geworden.
Es ist aber erkennbar, dass die heutige Jugend oft mit den Pflichtstunden nicht auskommt. Darüber gibt es Statistiken. Des Weiteren ist bekannt, dass heute auch die Durchfallquoten deutlich höher sind als zu meiner Zeit. Kann es also sein, dass der Führerschein heute auch deshalb so teuer ist, weil die Prüflinge es einfach nicht mehr gebacken bekommen?
Die Ideen des Ministers
Ich möchte nun zu einzelnen Ideen des Ministers Stellung nehmen. Ich stütze mich dabei auf einen Artikel von ntv, den ich am Ende anhänge. Dabei sind auch Aussagen, die definitiv falsch sind.
Weniger Sonderfahrten
Damit meint er die sogenannten Pflichtstunden. Wenn man berücksichtigt, dass die Masse der Fahrschüler mit diesen Pflichtstunden nicht über die Runden kommt, was hilft dann eine Verringerung? Ich bin der Meinung, dass diese Pflichtstunden schon das absolute Minimum sind. In diesem Zusammenhang macht der Minister geltend, dass diese Sonderfahrten europarechtlich nicht verpflichtend sind. Will er also im Sinne Europas das Niveau der Fahrausbildung senken? Der allgemeinen Sicherheit dient das allerdings nicht.
Entscheidend ist doch, dass sie am Ende die Prüfung schaffen.
Vereinfachung des Fragenkatalogs
Der derzeitige Fragenkatalog für die Fahrerlaubnisklasse B enthält derzeit 1.169 verschiedene Fragen. Das soll nach Ansicht des Ministers um 30 Prozent verringert werden. Da frage ich mich, was das bringen soll. Wenn ich die Vorfahrtsregeln begriffen habe, dann ist es mir egal, ob es da 200 oder 2.000 verschieden Fragen gibt. Was soll die Verringerung dann also bringen?
Zum zweiten ist das Erlernen der Fragen eine reine Fleißarbeit. Man muss sich nur einen Fragenbogensatz kaufen und dann jeden Tag bis zu zehn Fragebögen ausfüllen. Packt man die Bögen in Klarsichthüllen, dann lassen die sich auch mehrfach benutzen. Ich habe es so jedenfalls geschafft, jede meiner theoretischen Prüfungen mit null Fehler abzuschließen. Ich habe später noch die Klasse BCE und mit 42 Jahren noch die Klasse A erworben.
Mit der Verringerung der Fragen unterstützt man meiner Meinung nach lediglich die Faulheit der Fahrschüler. Dieser Absicht ist also eine klare Absage zu erteilen.
Theorie im Selbststudium
Die Idee, den Theorieunterricht digital zu Verfügung zu stellen, halte ich nicht unbedingt für falsch. Man könnte es ja einfach mal ausprobieren. Entsprechende Lernprogramme dürfte es schon geben. Ich sehe dabei allerdings die Gefahr, dass sich die Durchfallquote noch einmal erhöht. Dann wären aber die Einsparpotentiale sofort wieder aufgebraucht. Es käme halt auf einen Versuch an. Ich persönlich würde es jedenfalls nicht so machen.
Der Zeitansatz bei den Prüfungen
Der Minister ist der Meinung, dass die Prüfungszeiten zu lange sind. Wenn diese kürzer wären, könnte der Prüfer mehr Fahrschüler durchschleusen, was dann zu einer Verbilligung der Prüfungskosten führen würde. Das mag vielleicht möglich sein, ich halte das allerdings für marginal.
Die theoretische Prüfung dauert in der Regel 30 Minuten. Da dabei meistens mehrere Prüflinge teilnehmen, ist dort kaum Zeit einzusparen. Die praktische Prüfung ist angelegt auf eine Fahrstunde von 45 Minuten. Mit integriert in diese Zeit ist das Einparken und die Übergabe der Fahrerlaubnis. Die reine Fahrprüfung bewegt sich somit auf 30 -35 Minuten. Das EU-Mindestmaß sieht eine Prüfungsdauer von 25 Minuten vor. Ich betone, das EU-Mindestmaß sieht das vor. Mehr geht immer.
Was da die Ersparnis von maximal 10 Minuten Fahrzeit wirklich bringen soll, ist mir schleierhaft.
Zudem heißt es die Prüfung soll das Mindestmaß nicht unterschreiten. Wenn der Prüfer allerdings zu der Überzeugung gelangt, dass der Prüfling sicher und regelgerecht unterwegs ist, kann er die Prüfung durchaus verkürzen. In meinem Fall war die Prüfung nach 25 Minuten beendet.
Dass man bei der Prüfung also Maßnahmen ergreift, die zu einer massiven Ersparnis führt, halte ich für ein Gerücht.
Die Prüfer
Bei ntv wird berichtet, dass es an Prüfern fehlt, weil das Diplomingenieure sein müssten. Das ist natürlich absoluter Quatsch. Um eine Prüfung abnehmen zu dürfen, muss ich als amtlich anerkannter Prüfer (aaP) registriert sein. Das können auch Fahrlehrer mit besonderer Qualifikation oder Kfz-Techniker sein. Ein Ingenieur ist definitiv nicht erforderlich. Ich weiß nicht, wie es in den Städten ist, aber hier auf dem Land ist das eher kein Problem.
Fahrsimulatoren
Der Minister meint zudem, dass auch Fahrsimulatoren zur Preisdämpfung beitragen könnten. Das ist natürlich bodenloser Unsinn. Denn solche Simulatoren kosten richtig Geld. Das Einzige, was dabei gespart wird ist Benzin. Und gewartet werden müssen die Dinger auch. Geschenkt bekommt man das nicht.
Laienausbildung
Über eine Idee sollte man aber nachdenken. Unter Laienausbildung versteht der Minister, dass nahestehende Personen in die Ausbildung integriert werden könnten. Das heißt der Fahrschüler dürfte sich mit dem Auto bewegen, wenn eine nahestehende Person mit der entsprechenden Fahrerlaubnis danebensitzt. Das wäre sowas wie begleitetes Fahren, allerdings ohne Führerschein. Nach Abschluss der theoretischen Prüfung halte ich das nicht für unmöglich. In der Schweiz gibt es sowas. Da muss für diesen Fall ein blaues Schild mit einem weißen L (Lernfahrer) deutlich sichtbar am Heck des Fahrzeuges angebracht sein (lesen sie hier). Wäre mal einen Versuch wert. Da könnte man mit Sicherheit die eine oder andere Fahrstunde einsparen.
Fazit
In meinen Augen ist der Führerschein nicht wesentlich teurer als früher. Wenn man über eine Verteuerung spricht, dann sollte man nicht vergessen, wer hierfür eigentlich verantwortlich ist. Es ist nämlich die Politik höchst selbst.
Dazu kommt dann noch die häufig fehlende Leistungsbereitschaft der Fahrschüler, die zu einem deutlichen Anstieg der Durchfallquote geführt hat. Ich habe da im Bekanntenkreis ein absolut typisches Beispiel.
Die Einsparpotentiale, die Schnieder sieht, sind entweder gar nicht vorhanden oder so marginal, dass sie eigentlich nicht erwähnenswert sind.
Ich halte das Ganze also für eine im Wahlkampf typische Luftblase. Man will so tun, als ob man was für die Wählerschaft tut. Am Ende bleibt es doch eine Nullnummer.
Nachsatz
Hätte ich beinahe vergessen. Die Fahrschulen sollen nach Ansicht des Ministers ihre Preise an das Verkehrsministerium melden. Damit soll dann so was wie eine Preisliste veröffentlicht werden. Ob das zur Verbilligung beiträgt? Ich glaube nicht. Nach wie vor bestimmen Angebot und Nachfrage den Preis.
Weiterführende Links
Minister stellt Reform vor: Wie der Führerschein billiger werden soll – ntv.de