Grönland nimmt kein Ende

Trump verschärft den Kurs

„Neunzig Prozent der Politiker geben den anderen zehn Prozent einen schlechten Ruf.“
Henry Kissinger

Einige Sätze vorweg

Auch wenn ich die Interessen der USA bezüglich Grönlands durchaus verstehen kann, so bin ich mit dem Vorgehen Trumps nicht unbedingt einverstanden. Genau so wenig halte ich allerdings von der Reaktion einiger Regierungschefs der EU. Was da abgeht ist in meinen Augen lächerlich. Das soll heute allerdings keine Rolle spielen. Vielmehr will ich erarbeiten, was Grönland so wichtig macht und warum Trump da so hinterher ist.

Die strategische Lage Grönlands

Dazu hatte ich in den letzten Tagen schon geschrieben (hier). Deshalb nur in aller Kürze. Von Grönland aus kann man die Arktis überwachen. Das dürfte bei weiterer Eisschmelze infolge des Klimawandels bedeutsamer werden, wenn ständige Schifffahrtsrouten durch das Polargebiet möglich werden. Es sollen sogar schon russische und chinesische U-Boote vor Grönland gesichtet worden sein. Natürlich spielen auch die vermuteten Rohstoffe Grönlands eine Rolle. Und natürlich soll den Russen und Chinesen der Zugriff auf diese verwehrt werden. Aber wie soll das gehen?

Grönland ist dänisches Staatsgebiet

Auch wenn die Grönländer weitestgehende Autonomie besitzen, so handelt es sich dennoch um dänisches Staatsgebiet. Die Dänen sind somit auch verantwortlich für die militärische Verteidigung. Dänemark ist in der NATO, und die wird im Falle eines Angriffs unterstützen. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass Dänemark in erster Linie dafür verantwortlich ist. Und da dürfte sich Dänemark ziemlich schwertun.

Die amerikanische Sichtweise

Direkten Zugang zum Polargebiet haben ausschließlich Russland und Kanada. Eingeschränkten Zugang haben die Nato-Partner Norwegen und Island. Somit ist Grönland für die Amerikaner von einem hohen Interesse. Gleichzeitig müssen die USA feststellen, dass die europäischen NATO-Partner sich in den vergangenen Jahrzehnten militärisch erheblich geschwächt haben. Ob die also einen Zugriff Chinas oder Russlands auf Grönland verhindern können ist mehr als fraglich. Trump hat mehr als einmal deutlich gemacht, dass er unter diesen Umständen den Europäern nicht mehr das größte Vertrauen entgegenbringt.

Gleichzeitig macht die EU auch immer wieder deutlich, dass sie aus Umweltschutzgründen eigene Rohstoffressourcen nicht fördern will. Dadurch sind die Europäer vom Ausland abhängig, insbesondere von China. Und das kann nicht im Interesse der USA liegen.

Das Dänische Militär

Ich möchte das nur einmal an Dänemark festmachen. Die Dänischen Streitkräfte verfügen über gut 17.000 Soldaten. Dazu kommen noch 12.000 Reservisten und etwa 50.000 Freiwillige der Heimwehr. Das dürfte so was ähnliches sein wie unsere Heimatschutzregimenter, vielleicht auch sowas ähnliches wie die National Guard in den USA. Für die Verteidigung Grönlands dürften die allerdings nicht zu Verfügung stehen. Bleibt also ein Heer in Größe einer Division (drei Brigaden), dazu noch ein wenig Luftwaffe und Marine. Wie sollen diese Streitkräfte Grönland auch nur ansatzweise verteidigen können.
Und bei den anderen Europäern sieht es ja nicht anders aus.

Was gebraucht wird

Ich glaube nicht, dass man auf Grönland großartig mit Heereseinheiten operieren kann. Die Masse der Insel liegt nach wie vor unter einem dicken Eispanzer. Man muss also Elemente vor Ort haben, die aus der Luft oder zur See operieren können. Dabei geht es um strategische Aufklärung, von Grönland zur russischen Küste sind es teilweise mehr als 1.000 Kilometer.

Luftwaffe, die in der Größe operieren kann, haben da wohl nur die USA. Darüber hinaus sind die USA in der Lage mit Flugzeugträgern Luftkampffähigkeiten schnell zu verlagern. Die Europäer verfügen durch Frankreich lediglich über einen einzigen Träger, der zudem noch deutlich kleiner ist als die amerikanischen Pendants.

Auch zu Wasser werden strategische Fähigkeiten gefordert. Auch da kommen die Flugzeugträgerverbände wieder zur Geltung. Darüber hinaus dürfte man auch strategische U-Boote benötigen. Da handelt es sich um U-Boote mit etwa 150 Mann Besatzung. Deutsche U-Boote sind nicht einmal halb so groß und haben eine Besatzung von nicht einmal 30 Mann. Die sind für solche strategischen Aufgaben in keinem Fall geeignet.

Im Fall der Fälle muss sich die NATO dann doch wieder auf die USA verlassen. Warum sollte man Grönland nicht gleich den USA übergeben? Ich halte diese Frage für durchaus berechtigt.

Die Reaktion der Europäer

Nun, Trump macht Dampf. Die Europäer lamentieren, winken mit der Moralkeule und machen Symbolpolitik. Die Dänen starten eine Erkundung nach Grönland. Andere Nationen nehmen daran teil. Schweden, Finnland, aber auch Deutschland ist mit dabei.
Nun gehört Grönland schon seit über 200 Jahren zu Dänemark. Und jetzt wo es Ernst wird, startet man eine Erkundung. Kann es sein, dass die Dänen ihr eigenes Land nicht kennen? Auch die Deutschen beteiligen sich mit eine 15-köpfigen Erkundungskommando. Aber was sollen die da erkunden. Will Deutschland dort etwa eine Brigade stationieren wie in Litauen? Selbst dafür braucht man drei Jahre. In Grönland dürfte das noch schlimmer aussehen. Da gibt es kein Material, da gibt es kein Personal. Alles muss auf dem Seeweg herbeigeschafft werden. Das wird mit Sicherheit spannend.

Ich weiß jedenfalls nicht, was da erkundet werden soll. Dem Erkundungskommando war das wohl auch nicht so ganz klar. Danisch berichtet in diesem Zusammenhang von einer Meldung eines Teilnehmers, natürlich ohne Namensnennung.

Der beschreibt die Erkundungsergebnisse wie folgt:
1. Eis ist kalt.
2. Schnee ist weiß.
3. Grönland ist groß.
4. Zölle sind schlecht.
5. Daheim ist es auch schön.

Erkundungskommando hört sich natürlich toll an. Aber wenn so ein Team nicht weiß, was der Zweck der Erkundung ist, dann darf man sich über solche Ergebnisse nicht wundern. Ich halte diese ganze Aktion nur für blinden Aktionismus. Und sie wissen ja, blinder Aktionismus ersetzt nicht geistige Windstille.

Zusammenfassung

Ich wiederhole mich noch einmal. Wie Trump in der Sache vorgeht, finde auch ich total daneben. Das kann man geschickter tun. Auf der anderen Seite hat sich Dänemark über 200 Jahre nicht wirklich Gedanken um die Insel gemacht. Sieht man einmal von den Verbrechen gegen die Inuit ab. Und jetzt, wo Trump das Maul aufmacht wird man hysterisch. Ich denke, die Europäer täten gut daran, vom Berg der Moral herabzusteigen und mit Trump pragmatische Lösungen suchen. Das würde zu deutlich weniger Komplikationen führen.

Vorausschau

Demnächst startet ja wieder einmal das WEF. Trump kommt auch, bringt eine Delegation mit. Ich glaube aber nicht, dass da groß verhandelt wird. Die Amerikaner werden ihren Standpunkt mitteilen. Und dann kann man denen folgen, oder man lässt es sein. Unterstützung darf man dann aber auch nicht mehr erwarten.

Dier Teilnahme an der Münchner -Sicherheitskonferenz haben die Amerikaner schon abgesagt. Da hat J.D. Vance im vergangenen Jahr schon alles gesagt. Außer beleidigte Leberwurst zu spielen, ist den Europäern nicht viel eingefallen. Für Trump wäre die Teilnahme somit vertane Zeit.

Für die Europäer habe ich nur einen Rat. Reißt schleunigst das Ruder herum und bringt eure Wirtschaft auf Vordermann. Mit eurem moralbesoffenen Ökosozialismus werdet ihr sonst ganz zu einer Provinz der Großen. Wer von denen es sein wird, das weiß ich derzeit nicht. Ich fürchte aber, dass die Chinesen das Rennen machen.

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