Jahreswechsel und Böllerverbot
„Wird’s besser? Wird’s schlimmer? – fragt man alljährlich.
Seien wir ehrlich: Leben ist immer lebensgefährlich.“
Erich Kästner
Gestern war es wieder soweit
Es ist wie immer. Der Jahreswechsel kommt, und mit ihm kommt auch die Diskussion um ein allgemeines „Böllerverbot“. Der Begriff ist eigentlich falsch. Man meint nämlich ein Feuerwerksverbot. Die Begründungen dafür sind vielfältig und genauso vielfältig blöd. Einige wenige werde ich aufgreifen.
Und natürlich befürchtet man wie immer Fehlverhalten im Umgang mit Feuerwerkskörpern. Und es kam dann ja auch wie erwartet. Da fliegen Feuerwerkskörper auf Polizei und Rettungsdienste. Da stößt die Feuerwehr auf Blockaden. Autos und Mülltonnen gehen in Flammen auf. Es sollen in Einzelfällen sogar Molotow-Cocktails geflogen sein. Wie man das alles mit einem Böllerverbot in den Griff bekommen will ist mir schleierhaft.
Erinnerungen an meine Jugend
Auch in meiner Jugend, das ist jetzt schon 50 Jahre her, haben wir zu Silvester Feuerwerk abgebrannt. Ich glaube sogar, dass wir damals mehr geböllert haben als heute. Raketen waren nämlich schweineteuer.
Ich wohnte damals in einer Reihenhaussiedlung. Die bestand aus Zwei- und Vier-Familien-Häuser. Und die haben alle geknallt. Anschließend roch die Straße auch ziemlich streng. Das war aber am nächsten Morgen alles vorbei. Aber darum soll es gar nicht gehen.
In dieser Straße parkten sogar Autos. Woanders gab es halt keine Parkflächen. Ich wüsste trotzdem nicht, dass da jemals ein Auto in Flammen aufgegangen wäre. Und wenn Blaulicht und Sirene auftauchte, dann wurde das Feuerwerk für die wenigen Sekunden unterbrochen. Das war aber selten. Von Großbränden ist mir jedenfalls nichts in Erinnerung geblieben. Ja, man hat schon mal aus Übermut einen Feuerwerkskörper (Böller) in einen Briefkasten geschmissen. Der Briefkasten war danach auch Schrott. Aber dass deshalb ein Feuerwerk ausgebrochen wäre. Nein, kann ich mich nicht dran erinnern.
In Amsterdam brennt eine Kirche
Eines vorweg. Es gab auch schon zu meiner Zeit Zonen, in denen Feuerwerk aus Gründen des Brandschutzes verboten war. Das war in Altstädten auch damals schon üblich. Aber ein allgemeines Verbot stand nie zur Diskussion.
Nun wird vermeldet, dass in Amsterdam eine Kirche in Flammen aufgegangen ist. Und da stellen sich mir doch einige Fragen. Selbst wenn eine Rakete unglücklich fliegt, dann trifft sie vielleicht eine Fensterscheibe. Bei den zugelassenen Raketen reicht die Energie aber nicht, um die Fensterscheibe zu durchschlagen. Ansonsten fällt sie auf das gedeckte Dach und verglüht ohne Schaden anzurichten. Dass es dadurch zu einem Großbrand kommt ist dann doch eher unwahrscheinlich.
Und selbst wenn es dann passiert, was kann die Ursache für einen solchen Großbrand sein. Welch Materialien werden in so einer Kirche gelagert. Die Holzbänke jedenfalls können sie mit einer Feuerwerksrakete nicht entzünden. Des Weiteren stelle ich mir die Frage, wie lange die Feuerwehr gebraucht hat, um die Brandstelle zu erreichen. Denn bis so eine Kirche lichterloh brennt dauert eine Weile. Wie dem auch sei, dass müssen jetzt Spezialisten der Feuerwehr klären.
Müllcontainer und Autos brennen
Verschiedene Meldungen berichten davon, dass Müllcontainer, ja sogar Autos in Folge des Feuerwerks in Brand aufgegangen sind. Also da muss ich doch erhebliche Zweifel anmelden. Eine Mülltonne, selbst eine aus Kunststoff, geht nicht so ohne Weiteres in Flammen auf. Selbst wenn sie einen Böller unmittelbar auf der Tonne zünden, da passiert erst einmal gar nichts. Da müssen sie die Mülltonne schon öffnen und den Böller direkt hineinwerfen. Und selbst dann passiert in der Regel noch nichts. Da macht es höchsten puff, stinkt ein wenig, aber ein Feuer entsteht da eher nicht. Müll brennt nämlich gar nicht so gut.
Das Gleiche gilt auch für Autos. Sie können sogar einen Kanonenschlag im Auto zünden. Klar, dass die Umgebung ein wenig verrußt, aber in Flammen geht ein Auto da noch lange nicht auf. Da braucht es schon ganz andere Sprengkörper. Und die sind auch heute schon verboten.
Wohnungsbrände
Offenes Feuer in Wohnungen hat schon häufiger zu Bränden geführt. Das will ich überhaupt nicht ausschließen. Ich möchte nicht wissen, wie viele Weihnachtsbäume oder Adventskränze schon in Flammen aufgegangen sind. Verantwortungsvolle Bürger haben aber für diese Fälle Feuerlöschmittel griffbereit. Ich kann mich sogar an ein solches Ereignis erinnern. Mein Vater war damals sehr reaktionsschnell und hatte den Adventskranz ruckzuck gelöscht. Wenn sowas aber in Verbindung mit Silvesterfeuerwerk passiert, dann hängt das immer mit unsachgemäßem Umgang zusammen. Vieles davon kann ich sogar noch nachvollziehen. Wo mir aber dann jegliches Verständnis fehlt, ist, wenn Raketen gezielt auf offene Fenster und Türen abgeschossen werden. Das ist dann definitiv kein Übermut mehr, das ist für mich Brandstiftung in Verbindung mit Körperverletzung. Und sowas gehört massiv bestraft.
Argumente
Argumente für ein Böllerverbot, die auf diese Gefährdungen abzielen, kann ich durchaus nachvollziehen. Die Befürworter eines solchen Verbotes sollten aber wissen, dass der größte Teil dieses Missbrauchs von Feuerwerkskörpern schon verboten ist. Man müsste diese Verbote einfach mal durchsetzen. Dass dabei auch verbotene Sprengmittel zum Einsatz gebracht werden muss man auch nicht mehr verbieten. Diese Verbote gibt es längst. Nur darf man da gegenüber den Tätern nicht nachsichtig sein.
Es gibt allerdings weiter Argumente, denen ich dann nicht mehr folgen will.
Tierschutz
Vielfach wird gesagt, dass Tiere durch das Feuerwerk in Stress versetzt werden. Das streite ich noch nicht einmal ab. Aber gerade Haustiere in der Großstadt werden noch durch viel mehr Dinge in Stress versetzt. Ich möchte nicht wissen, wie viele Hunde in viel zu beengten Räumen gehalten werden. Darüber hinaus kann man auch Tiere bis zu einem gewissen Grad resistent machen. Dazu bedarf es aber ein unbedingtes Vertrauen in seinem Halter. Der muss das Tier auch entsprechend erziehen und schulen. Da hapert es dann aber schon bei vielen.
Ich habe schon schussfeste Hunde und Pferde gesehen. Wenn die ihrem Halter uneingeschränkt vertrauen, dann zucken die nicht einmal, wenn ein Schuss in ihrer Nähe fällt. Beobachten sie doch einfach mal die berittene Polizei bei Karnevalsumzügen.
Ich habe dazu noch ein Beispiel. Der Zoo Hagenbeck in Hamburg hat bislang einmal im Jahr zu „tropischen Nächten“ eingeladen. Diese wurden mit einem abendlichen Feuerwerk beendet. Natürlich müssen dann die Tierpfleger bei ihren Tieren sein. Und natürlich sind die Tiere dann unruhig. Dass diese einmalige Stressbelastung die Tiere aber richtig aus der Bahn geworfen hätte, davon ist nichts bekannt. Es gab dazu mal eine Dokumentation im Fernsehen.
Feinstaubbelastung
An 365 Tagen gibt es in den Städten Feinstaubbelastungen durch unterschiedliche Quellen. Es ist auch unbestritten, dass diese keinen guten Einfluss auf unsere Gesundheit haben. Dennoch filtern unsere Nasenschleimhäute die Masse davon aus der Atemluft heraus. Es ist für mich absolut nicht nachvollziehbar, was die Silvester-Knallerei daran noch schlimmer macht. Das ist ein Tag von 365. Ich denke, das wird noch jeder verkraften. Und Asthmatiker bleiben dann einfach mal für diese zwei Stunden in ihrer Wohnung. Wo ist da das Problem?
Ein letzter Punkt noch
Mit Masse verlaufen die Silvesternächte in Deutschland eigentlich ruhig. Ich wüsste jetzt auch nicht, dass man im Nienburger-Krankenhaus Sonderschichten fahren würde.
Es gibt aber Regionen, da ist der Krawall vorprogrammiert. Es sind auch immer die Gleichen. Berlin-Neukölln beispielsweise oder auch Leipzig, da knallt es regelmäßig. Und vielleicht sollte man da einmal genauer hinschauen. Könnte es doch der Fall sein, dass das etwas mit dem merzschen Stadtbild zu tun hat? Es ist nämlich schon interessant, dass Stadtviertel mit hohem Migrantenanteil durch solche Gewaltexzesse besonders hervorstechen. Aber so etwas äußert, gilt schnell als ausländerfeindlich uns ist somit Nazi.
Auch dass ein hoher Polizeifunktionär im Hinblick auf die Vorfälle in Köln vor zehn Jahren von toxischer Männlichkeit spricht dürfte für ein Lösung des Problems nicht hilfreich sein.
Fazit
Ich bin gegen ein allgemeines Feuerwerksverbot. Allerdings ist vielmehr darauf zu achten, dass auch die Regeln befolgt werden. Ich bin sogar der Meinung, dass Verletzungen, die durch unsachgemäße Verwendung von Feuerwerkskörpern verursacht sind, nicht durch die Krankenkassen zu bezahlen sind. Und ich würde in solchen Fällen prüfen, inwieweit Alkohol eine Rolle spielt. Wer alkoholisiert eine Waffe führt, Jäger können ein Lied davon singen, begeht unter Umständen eine Straftat. Das gleiche gilt eigentlich auch für Sprengmittel. Und als solche sind Feuerwerkskörper zu betrachten.
Diese Straftaten sind meines Erachtens massiv zu verfolgen. Aber lieber verfolgt man Regierungskritiker wegen rechter Hetze.
Nochmals zum Schluss. Kein Verbot für das private Abbrennen von Feuerwerk. Einmal im Jahr wird man das wohl aushalten können.
Nur so am Rande, ich brenne schon seit Jahren keines mehr ab. Ich bin trotzdem gegen ein Verbot. Es gibt schon Verbote genug.