Ist Tierzucht wirklich böse?

Das Wunderwerk „Kuh“

„Wenn es bei uns keine großen Kartoffeln mehr gibt, dann doch eindeutig nur, weil wir schon längst keine dummen Bauern mehr haben.“
Gerd W. Heyse

Vegetarisch oder sogar vegan?

Wenn es in der Politik derzeit um Ernährung geht, dann kann man nur feststellen, dass Fleisch immer als böse dargestellt wird. Vegetarische, teilweise sogar vegane Ernährung werden als das Non-plus-Ultra dargestellt. Fleischproduktion soll sogar bekämpft werden. Und auch hier wird natürlich wieder der Klimawandel vorgeschoben. Beispielsweise wirft man Kühen vor, sie würden zu viel Methangas ausrülpsen oder furzen. Zwei große Verfechter dieser Politik sind der Landwirtschaftsminister, Cem Özdemir, ein bekennender Veganer. Und auch Karl Lauterbach ist bekennender Veganer, der vermeidet darüber hinaus sogar Salz.
Ich bin allerdings der Meinung, dass man gerade dem Rind damit nicht gerecht wird. Und was ich von veganer oder vegetarischer Ernährung halte, dazu habe ich mich schon mehrfach geäußert. Ich will mich heute einmal mit diesem Wunderwerk „Kuh“ auseinandersetzen.

Der Kreislauf der Pflanzen

Um die Kuh als Wunderwerk zu verstehen, müssen wir uns erst einmal mit ihrem Futter beschäftigen. Sie ist nämlich ein reiner Pflanzenfresser.
Wie funktioniert das also mit diesen Pflanzen?
Im Frühjahr wachsen diese Pflanzen. Dazu entziehen sie dem Boden Nährstoffe, unter anderem auch Nitrate. Ja, das ist wirklich so. Die brauchen den gebundenen Stickstoff für ihr Wachstum. Gleichzeitig entziehen sie der Luft CO2 und gewinnen durch die Photosynthese den Kohlenstoff, den sie zur Erzeugung von Kohlenhydraten verwenden. Dabei wird dann wiederum Sauerstoff freigesetzt. Sie kennen das.

Im Herbst wiederum stirbt die Pflanze dann im Regelfall ab. Und was passiert dann? Die Pflanzenreste verrotten so nach und nach. Und dabei wird wieder Sauerstoff gebunden und CO2 freigesetzt. Und wenn sie im Chemieunterricht nicht durchgängig geschlafen haben sollten, dann wissen sie auch, dass die Menge des freigesetzten CO2 absolut identisch ist mit der Menge, die vorher gebunden wurde. Die Pflanze ist also zu 100 Prozent CO2-neutral wenn sie am Ende wieder verrottet ist. Da bleibt am Ende kein Gramm Sauerstoff zusätzlich übrig.

Da gibt es aber auch Methan

Methan ist ein gasförmiger Kohlenwasserstoff. Ja, wenn sie das übersetzen wird daraus ein Kohlenhydrat. Und Kohlenhydrate sind übrigens Energieträger. Zucker zum Beispiel. Oder Öl. Nicht alles für den Menschen bekömmlich.
Wenn bei der Verrottung von Pflanzen nicht ausreichend Sauerstoff zu Verfügung steht, dann verbinden sich die überschüssigen Kohlenstoffe mit Wasserstoff, und es entsteht das Gas Methan. Ich Kompostiere in meinem Garten selbst. Und wenn der Kompost zu nass ist, dann verrottet das Kompostgut nicht richtig und es entsteht ein Faulprozess. Dabei wird unter Umständen auch Methan freigesetzt. Im Übrigen macht man sich genau diesen Effekt bei Biogasanlagen zu nutze.

Oxidation

Dem Grunde nach handelt es sich bei dem Verrottungsprozess um eine Oxidation. Um es einfach auszudrücken um eine ganz langsame Verbrennung ohne Flamme. Fassen sie einmal vorsichtig in einen großen Haufen frischen Rindenmulch. Wer in der Nähe einer größeren Raiffeisen-Anlage wohnt, sollte dazu die Möglichkeit haben. Der Haufen ist im Inneren richtig warm. Da können schon Temperaturen weit über dreißig Grad entstehen. Die Ursache ist genau dieser Oxidations- oder vereinfacht Verbrennungseffekt. Und das sollten wir uns jetzt merken. Denn letztlich findet genau der gleiche Effekt statt, wenn unser Körper die Kohlenhydrate in Energie umwandelt. Als ich noch Schüler war, sprach unser Biologielehrer immer von einer Verbrennung in den Zellen. Und wenn dieser Effekt verstärkt stattfindet, beispielsweise beim Sport, dann wird es uns richtig warm.

Und deshalb atmen wir auch Sauerstoff ein und Kohlendioxid wieder aus. Wir können dabei nicht mehr Kohlendioxid ausatmen, als die Pflanze vorher an der entsprechenden Menge an Kohlenstoff gebunden hat. Es ist also völlig egal, ob die Pflanze im Freien verrottet, oder ob sie den Weg über den Verdauungstrakt findet. Das gilt logischerweise auch für Tiere.

Wie ist das bei der Kuh?

Bei der Kuh ist das absolut genau gleich. Sie frisst Pflanzen. Entzieht den Pflanzen den Kohlenstoff. Verbrennt diesen dann mit dem eingeatmeten Sauerstoff und gewinnt damit die zum Leben erforderliche Energie. Das Abfallprodukt CO2 atmet sie natürlich wieder aus. Trotzdem ist sie CO2-neutral, weil die Pflanzen die entsprechende Menge ja vorher gebunden hatte. Ich komme später noch einmal darauf zurück.

Das Futter

Jetzt wird von unseren Spezialdemokraten, zu denen ich auch die Grünen zähle, immer wieder behauptet, dass riesige Ackerflächen zur Produktion von Viehfutter missbraucht würden. Diese Flächen stünden dann aber für Menschennahrung nicht mehr zur Verfügung. Aber ist das wirklich so? Natürlich nicht. Denn Kühe können noch Dinge verwerten, die für menschliche Nahrung gänzlich ungeeignet sind.

Ein kurzer Ausflug zur Nahrungsproduktion

Nehme wir einmal eine Getreidepflanze. Obwohl wir schon kurzhalmige Getreidesorten gezüchtet haben, sind nach wie vor mehr als zwei Drittel Abfall. Und selbst bei den Ähren muss man beachten, nicht jedes Korn ist für die Herstellung von Mehl geeignet. Es sind also nur Bruchteile der Pflanze für den Menschen nutzbar. Unsere Rinder können allerdings diese Abfälle noch hervorragend verarbeiten.

Das gilt auch für andere Nahrungsmittel. Sie essen doch auch Erbsen. Die Schoten landen meistens im Müll oder auf dem Kompost. Sie könnten diese Schalen aber auch an Tiere verfüttern. Ich weiß aus eigener Erfahrung, Erbsenschoten sind für Kühe und Schweine ein Leckerbissen. Selbst Pferde fressen die mit Genuss.
Was ich damit sagen will. Es werden eigentlich keine Flächen verschwendet zur Herstellung von Tierfutter. Es ist vielmehr so, dass diese Tiere noch das verwerten können, was für uns schon Abfall ist. Und es gibt Flächen, die sind so unfruchtbar, dass sie eigentlich nur zur Tierfuttergewinnung (beispielsweise Gras) genutzt werden können.

Zurück zur Kuh

Unsere Kuh ist darüber hinaus ein Wunderwerk. Sie nimmt als ziemlich karges Futter zu sich. Das Futter enthält so gut wie kein Eiweiß. Und trotzdem erzeugt sie den Grundstoff für viele Eiweißprodukte, nämlich Milch. Und eine gute Kuh erzeugt deutlich mehr Milch, als sie für das geborenen Kalb benötigt.

Wie macht sie das?

Ich glaube, das weiß sie selbst nicht. Es ist einfach so. Der Grund liegt in ihrem besonderen Verdauungssystem. Sie verfügt nämlich über vier Mägen. Erst einmal frisst sie den ganzen Tag irgendwelches für Menschen nicht mehr nutzbares Futter. Oder haben sie schon einmal versucht Gras zu fressen. Naja, den Grünen traue ich ja vieles zu. Und dann landet das Zeug im ersten Magen. Und dort fault es so vor sich hin, wird von Bakterien zersetzt. Ja, dabei entsteht auch Methangas. Ist so ähnlich wie in eine Bio-Gas-Anlage. Und dieses Gas muss leider wieder raus. Die Kuh rülpst. Ist das schlimm? Ob es schlimm ist weiß ich nicht. Aber es ist ein völlig natürlicher Vorgang, der auch beim Kompostieren stattfindet.

Wenn dieser Vorgang dann abgeschlossen ist, würgt die Kuh diesen Brei wieder hoch, kaut ein zweites Mal und dann geht es weiter in die anderen Mägen. Was dabei im Einzelnen geschieht, will ich nicht erläutern. Das führt zu weit. Fest steht allerdings, dass im ersten Magen mit Hilfe von Bakterien Zellulose abgebaut werden kann. Dabei entsteht Essigsäure, die dann zu Milchfett verstoffwechselt wird. Wer weiteres dazu wissen will, der lese diesen kurzen Focus-Beitrag.

Ich kenne da einen Spruch aus meiner Schulzeit. „Meine Damen und Herren, es ist uns gelungen, aus Scheiße Marmelade zu machen. Streichfähig ist sie schon, am Geschmack arbeiten wir noch.“
So blöd dieser Spruch ist, auf die Kuh trifft er zu. Sie ist äußerst genügsam, was Futter angeht. Was sie aber produziert, sind Hochleistungsnahrungsmittel.

Die Milch

Auch wenn viele Ernährungswissenschaftler die Milch als Getränk anzweifeln, es ist und bleibt ein hochwertiges Nahrungsmittel. Vitamine, Spurenelemente, Fette, Eiweiße und das alles in einem Powergetränk. Da muss die Chemie schon eine gehörigen Mix anrühren um so etwas zu produzieren.

Käse und Butter

Käse gab es schon zu Zeiten der Ägypter. Man hat Käsereste in alten Pharaonengräbern gefunden.
Und nicht zu vergessen ist die Herstellung von Butter. Da können mir Veganer erzählen was sie wollen, an ein gutes Stück Butter kann keine pflanzliche Margarine heranreichen. Ja, ich bin ein Butterfan. Morgens zum Frühstück eine Scheibe Rosinenbrot mit dick Butter. Da kann ich schon mal schwach werden. Obwohl ich eigentlich süß gar nicht mag.

Fleisch

Dann ist die Kuh auch noch Fleischlieferant. Und das Fleisch soll sogar hochwertig sein. Auch wenn viele das jetzt nicht hören wollen, das gilt im übrigens auch für Pferdefleisch. Und auch hier muss man ja mal sehen. Das Tier frisst eigentlich pflanzliche Abfälle. Und das Ergebnis ist ein hervorragendes Fleisch.
Es wird in diesem Zusammenhang ja gerne darauf hingewiesen, dass wir zu viel Fleisch äßen. Stellt sich die Frage, wieviel ist zu viel? Fest steht, dass Fleisch eine Bedeutung beim Aufbau des Gehirnes hat. Ich habe einmal gelesen, dass die Möglichkeit, Fleisch zu essen, erst die menschliche Entwicklung zum Homo Sapiens möglich gemacht hat. Kann sein, ich weiß es nicht.
Eines ist für mich aber sicher. Wenn man die geistige Leistung bei den Grünen so betrachtet, dann essen die durchgängig zu wenig Fleisch. Und wenn man dann noch auf Zucker verzichtet…

Leder

Als letztes muss man noch auf das Fell hinweisen. Ich kann mich noch gut erinnern. Schuhe aus Rindsleder waren hochwertig und teuer. Ich glaube sogar, Stiefel für das Militär wurden früher aus Rindsleder hergestellt. Die alten Knobelbecher bei der Bundeswehr waren wohl auch noch aus diesem Material. Die können sie übrigens heute noch kaufen. Die sind zwar ein bisschen hart, aber von höchster Qualität.

Gülle

Hoppla, eines hätte ich doch fast vergessen. Wir müssen bei der Kuh ja auch noch betrachten, was hinten rauskommt. Die Stickstoffverbindungen im Futter kann die Kuh nicht verwerten. Die kommen also hinten wieder raus. Und diese Gülle, in Verbindung mit Stroh wird es Mist, ist sehr stickstoffhaltig. Erinnern sie sich noch an den Anfang meines Beitrages? Stickstoffverbindungen, Nitrate, sind für die Pflanzen lebensnotwendig. Gülle ist Dünger, ein biologischer Dünger. Und hochwertig ist der auch noch. Man muss nur endlich mit den falschen Narrativen über Nitrate aufräumen.

Noch einige Behauptungen

Die Kühe wären mit verantwortlich für den Klimawandel. Sie würden zu viel CO2 ausstoßen. Diese Behauptung ist für mich Unsinn. Die Kuh stößt im Laufe ihres Lebens genau soviel CO2 aus, wie ihre Pflanzennahrung im Vorfeld absorbiert hat. Somit ist sie CO2 neutral. Die Frage ist, wie sich das mit dem Methan verhält. Da bin ich jetzt nicht auf dem Laufenden.
Und der Maschineneinsatz ist bei veganen Nahrungsmitteln ja auch nicht anders.

Auch der hohe Wasserverbrauch in der Rinderzucht wird gerne als Argument verwendet. Aber auch das ist bei genauerem Hinsehen nicht haltbar. Das Wasser kommt als Urin hinten wieder raus. Und vermischt mit den Fäkalien wird das ein hervorragender Dünger. Im Übrigen, das ist ein biologischer Dünger. Wo doch die Grünen gegen alles sind, was sich nach Chemie anhört. Das ist tatsächlich ein biologischer Dünger.

Zusammenfassung

Man kann über die Tierhaltung immer geteilter Meinung sein. Auch die Frage, wo beginnt die Massentierhaltung und wo endet sie, wird man immer höchst subjektiv beantworten.
Fest steht aber, wer den Genuss von Fleisch und anderen Tierprodukten ablehnt, verkennt, welch Hochleistungsnahrungsmittel dabei verloren gehen. Es gibt Länder auf dieser Erde, da wäre ein Überleben ohne tierische Nahrungsmittel gar nicht möglich. Und auch dort spielt die Kuh eine wichtige Rolle. Ziegen im Übrigen auch.

Ein Link

Ich möchte sie in diesem Zusammenhang noch auf einen Beitrag bei AchGut hinweisen. Dort steht beispielsweise, dass drei Milliarden Menschen auf dieser Erde abhängig von tierischen Proteinen sind, von denen sie schon heute zu wenig bekommen.

Vielleicht noch eine Zahl. Für jedes Kilo veganes Essen produziert man weitere vier Kilo Biomasse. Der Mensch kann die nicht verwerten, die Kuh schon.

Und hier der Link, Lesezeit 6 Minuten. Das ist zwar lang, lohnt sich aber. Die Erkenntnisse dort stützen sich auf die Dublin Declaration (englisch), die mittlerweile weltweit von 650 Wissenschaftlern unterschrieben ist.
Im Krieg gegen das Fleisch – DIE ACHSE DES GUTEN. ACHGUT.COM

P.S.: Ich weiß, dass mindestens einer meiner Leser in der Landwirtschaft tätig ist. Sollten sie in diesem Text grobe Fehler entdecken, dann würde ich darum bitten, dass diese Fehler in entsprechenden Leserkommentaren richtig gestellt werden. Vielen Dank.

4 Kommentare

  1. Auch aus meiner Sicht (studierter Chemiker) nichts zu bemängeln. „Setzen; Note Eins!“
    S.a. https://helmuth-herterich.jimdofree.com/die-wichtigste-chemische-reaktion-der-welt/
    Nur (unter der Überschrift „Gülle“) eine kleine Verbesserung: Die Stickstoff-Verbindungen des Futters werden zum größten Teil als Proteine im Fleisch verwertet. Nach dem Genuss des Rindfleisches entweder im menschlichen Körper als Muskelmasse gespeichert oder „verbrannt“ und mit dem Urin als Harnstoff wieder ausgeschieden. Der dann (wenigstens auf dem Bauernhof) in die Gülle und dann als Dünger wieder in den Kreislauf geht.
    Und: Im Gegensatz zum Menschen kann die Kuh Zellulose (der holzige Anteil der Pflanze) verwerten. Im Prinzip könnte man eine Kuh mit Zeitungspapier füttern.

  2. Ich gehe im Breich des Futter für die Wiederkäuer sogar noch weiter. Die Basis sind grobe Pflanzen ( Gras, Heu, einsiliertes Gras, Mais) mindesten 60 % Rauhfutter so das die Tiere Wiederkauen müssen. Der Bereich Kraftfutter dazu gehört Getreide, Raps, Soja Rüben etc. sind hauptsächlich „Abfallprodukte“ aus der Verabeitungsindustrie. Getreide welches keine Backqualität hat, Raps und Soja nachdem das enthaltende Öl extrahiert würde, Rübenschnitzel nach dem der Zucker herausgelöst wurde usw. Alternativ könnten diese Futtermittel auch in Biogasanlagen oder in Kompost „entsorgt“ werden. Auch hiermit bleibt die CO² Bilanz neutral. Der Unterschied ist nur, ich erzeuge über die Tiere Nahrungsmittel für den Menschen mit einer gewaltigen Nährstoffkonzentration. Ganz wichtig ist auch noch, das diese Nahrungsmittel ganzjährig, also auch im Winter zur Verfügung stehen.
    Das Argunment mit dem hohen Wasserverbrauch bei der Tierhaltung ist sehr fragwürdig. Denn es wird der natürliche Niederschlag auf den Futterflächen voll eingerechnet. Gleiches gilt für die eingesetzten Kraftfutter (siehe oben) zu 100%. Daher kommen diese utopischen Zahlen von 20.000 l Trinkwasser für 1 kg Fleisch (Ein Rind hat eine tägliche Zunahme von etwa 1 kg) Daran merkt, das da was nicht stimmen kann.

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