Rein in die Kartoffeln – raus aus den Kartoffeln

Das Dilemma in der Krankenhausfinanzierung

„Beklage nicht, was nicht zu ändern ist, aber ändere, was zu beklagen ist.“
William Shakespeare

Eine neue Gesundheitsreform

Wieder einmal ist der Winter gekommen. Und wieder einmal klagen die Krankenhäuser über fehlende Kapazitäten. In den meisten Fällen ist der Personalmangel das Problem. Fehlendes Personal führt aber automatisch zu einer geringeren Auslastung der Krankenhäuser. Teilweise müssen schon ganze Stationen geschlossen werden. Und das führt logischerweise zu Mindereinnahmen.

Gleichzeitig sind die Krankenhäuser aber nicht in der Lage, auf Notfälle angemessen zu reagieren. Es fehlen wieder einmal Betten. Wichtige Operationen müssen daher verschoben werden. Derzeit sind besonders die Kinderkliniken davon betroffen.

Das Gesundheitsministerium

Mittlerweile ist das Dilemma auch bei Karl Lauterbach angekommen. Er hat erkannt, dass Handlungsbedarf besteht. Ja, Karli, es gibt auch ein Leben nach Corona.
Die Finanzierung des Krankenhauswesens muss reformiert werden. Seuchen-Kalle spricht sogar von einer „Revolution des Krankenhauses“. Nun denn, mal sehen was da kommt.

Die Fallpauschale

Bevor ich weiter Überlegungen anstelle, einige wenige Aussagen zu diesen Fallpauschalen. Sie kennen ja die Gebührenordnung für Ärzte. Da ist genau festgelegt, welches Honorar der Arzt für welche Behandlung erheben darf. Die Fallpauschalen sind letztlich nichts anderes, gelten halt für Krankenhäuser. Das ist zunächst einmal nicht schlecht. Gleiche Behandlung, gleiches Geld. Das hat zur Folge, dass es im Gesundheitswesen nicht zu einem übertriebenen Konkurrenzverhalten kommt. Nochmals, gleiche Behandlung, gleiches Geld.

Im Übrigen, das kennt man auch aus dem Automobilbereich. Bei den Fachwerkstätten gibt es so etwas auch. Da kostet der Austausch einer Lichtmaschine, beispielsweise bei einem Renault, in allen Fachwerkstätten das gleiche. Dass es in sogenannte freien Werkstätte preiswerter sein kann ist unbestritten. Hier nutzen die Hersteller aber oftmals faule Tricks. Sie stellen den freien Werkstätten erforderliches Spezialwerkzeug nicht zu Verfügung.

Zurück zum Thema

Die Fallpauschalen sind zunächst einmal nicht falsch. Sie haben aber einen entscheidenden Nachteil. Zum einen sind Reaktionen auf Veränderung von Rahmenbedingungen kaum möglich. Hier meine ich beispielsweise Kosten für Heizung, Lohnerhöhungen und ähnliches. Und es ist kaum möglich, Leerstände aufzufangen.
Wenn also komplette Stationen leerstehen, dann ist die Auslastung des Krankenhauses deutlich zu niedrig. Angestrebt wird von den Unternehmen eine Auslastung von mindestens 75 bis 80 Prozent. Wenn dann schon eine Station nicht belegt werden kann, dann wird es schon eng. Es fehlt Geld. Und wenn dann noch die Heizkosten so steigen wie jetzt, ich glaube, ich muss das nicht weiter ausführen.

Wissen sie was da wieder interessant ist? Eigentlich wird mehr Personal gebraucht. Lauterbach will aber Geld verteilen. Geld was er eigentlich nicht hat.

Was soll das Gesundheitswesen eigentlich leisten?

Nun, Krankenhäuser sind eigentlich das letzte Glied in der Gesundheitsversorgung. Vorher kommen noch die Allgemeinmediziner, die Hausärzte. Danach kommen die Fachärzte, dann ambulante Kliniken und erst ganz zuletzt kommen die Krankenhäuser.

Sie könnten jetzt die makabre Behauptung aufstellen, als letztes käme der Friedhof. Ich will dem nicht widersprechen, das hat dann aber nichts mehr mit Gesundheitsversorgung zu tun.

Die Hausärzte

Wenn sie krank sind, bleiben sie erst einmal zuhause. In vielen Fällen kann man sich ganz gut allein auskurieren. Vor allem bei Erkältungskrankheiten ohne Fieber kann der Arzt sowieso nicht viel machen. In der Regel bekommen sie Medikamente zur Linderung der Symptome. Die sind in den meisten Fällen nicht verschreibungspflichtig. Und in der Regel müssen sie die sogar selbst bezahlen. Ich habe solche Medikamente immer ausreichend zuhause.

Wenn sie sich jetzt unsicher sind, dann gehen sie zum Arzt. Der untersucht sie dann genauer. Und schlägt ihnen eine Behandlung vor. Übrigens, sie müssen dieser Behandlung nicht zustimmen. Meistens ist es aber sinnvoll, dieses zu tun.
Und schon hier haben wir die erste Klippe, die zu einer Überlastung des Systems führen kann.
Sie glauben nicht, wieviele Patienten wegen Banalitäten einen Arzt aufsuchen. Dem Arzt ist es egal, der kassiert auch dafür. Auf der anderen Seit wird ihm aber Zeit gestohlen für die wirklich dringlichen Fälle.

Ich habe das einmal bei einem Kinderarzt erlebt. Da kam eine Frau mit ihrem Kind angerannt. Es handle sich um einen Notfall, ihr Kind habe ein Bonbon verschluckt. Der Arzt sagte dann nur, das ist nicht schlimm, das geht den üblichen Weg und kommt spätestens morgen wieder hinten raus. Aber das war ein Notfall.

Ich selbst war kürzlich auch krank. Sogar einen Tag mit Fieber im Bett. Bin ich zum Arzt? Nein. Habe ich mich auf Corona testen lassen? Nein. Auch wenn sie sich jetzt fragen, spinnt der? Dann stelle ich eine Rückfrage: wäre ich mit Arztbesuch und Coronatest schneller gesund geworden? Mit Sicherheit nicht. Ich verspreche ihnen aber, sollte ich mal mehr als drei Tage Fieber haben, dann werde ich einen Arzt aufsuchen.

Was will ich ihnen damit sagen?

Ich bin der absoluten Überzeugung, dass die Menschen heute viel zu früh zu einem Arzt gehen. Selbst als Arbeitnehmer brauchen sie bei kurzen Erkrankungen keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Ja, es gibt Ausnahmen. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel.
Allein die Häufigkeit der Arztbesuche kann da schon zu Ressourcenmängeln führen.

Die Fachärzte

Es gibt Fachärzte, die werden einfach gebraucht. In dieser Kategorie sehe ich beispielsweise Zahnärzte. Aber auch Chirurgen in den Krankenhäusern. Ich bin auch der Überzeugung, dass wir Gynokologen brauchen. Hier geht es unter anderem auch um die Betreuung während der Schwangerschaft. Ob man aber unbedingt eine Urologen braucht, das kann man sich schon fragen. Was kann der mehr, als ein Allgemeinmediziner. Was hat der an Gerätschaften mehr? Ich könnte hier noch viele Beispiele nennen, das würde aber zu weit führen.
Sie können das ja mal mit einem Fachmann diskutieren. Es sollte allerdings kein Urologe sein. denn dann ist das Ergebnis schon von vorn herein klar.

Darüber hinaus besteht die Neigung seitens der hausärzte, jede Diagnose noch einmal vom Spezialöisten überprüfen zu lassen. Da frage ich mich dann, wofür brauchen wir überhaupt noch die Hausärzte? Alsdo, ein bisschen mehr Arsch in der Hose dürfte auch im Gesundheitswesen nicht schaden.

Therapeuten

Bei den Therapeuten habe ich natürlich auch nicht den kompletten Einblick. In zwei Fällen kenne ich mich aber ganz gut aus.

Beispiel 1, die Physiotherapeuten

Das sind die, die sich mit ihren Muskeln und Gelenken auskennen. Die haben eine sehr umfangreiche Ausbildung über den Bewegungsapparat. Ja, die wissen von was sie reden. Deren Ausbildung unterscheidet sich in Fachfragen nur unwesentlich von der eines Orthopäden. Orthopäden werden das allerdings bestreiten. Und ich bin mir sicher, auch Physiotherapeuten können Röntgenbilder auswerten. Und es gibt dabei Therapien, wo durch gezieltes Training Muskelaufbau betrieben wird. Viele Rücken und Knieoperationen könnten durch eine erweiterte ambulante Physiotherapie (EAP) vermieden werden.
Orthopäden mögen das nicht wirklich. Daran verdienen sie nämlich nichts. Ich persönlich habe mit diesen Behandlungsmethoden im Bereich Rücken, Schulter und Knie hervorragende Erfahrungen gemacht. Bisher konnte ich so noch Operationen noch vermeiden.

Blöd ist nur, dass die Krankenkassen bei solchen Behandlungen ziemlich knickert sind. Und man gesteht den Therapeuten auch nach wie vor nicht zu, Diagnosen zu stellen. Übrigens, in Schweden ist das nach einer erweiternden Ausbildung möglich.
Und wäre es nicht toll, wenn man die frei werdenden Orthopäden dann zu, ähm, Landärzten umschulen könnte?

Beispiel 2, Hebammen

Für Hebammen gilt eigentlich das gleiche. Gerade bei den Schwangerschaften meiner Töchter habe ich höchst kompetente Hebammen erleben dürfen. An die Hebamme, die seinerzeit meine Frau betreut hat kann ich mich nicht mehr erinnern. Die könnten die Gynokologen erheblich entlasten, wenn man sie denn endlich ließe. Statt dessen macht man ihnen das Leben unnötig schwer. Sie verdienen deutlich weniger als ein Arzt, sollen aber im Bereich Geburtshilfe das gleiche können. Und nicht zuletzt sollen sie auch noch wahnsinnige Versicherungen abschließen, für den Fall dass dann doch einmal etwas schief geht. Und dann wundern wir uns, dass es nur noch wenige gibt, die diesen Beruf ergreifen wollen?
Also geht man auch hier für jeden Scheiß zum Frauenarzt. Fachkräftemangel hausgemacht.

Die Pflege

Diesen Bereich möchte ich kurz ansprechen, auch wenn er nicht unmittelbar zu Thema gehört.
Auch in der Pflege fehlt es an Personal. Obwohl die Zahl der Pflegebedürftigen zukünftig steigen wird, kommt kaum Personal nach. Ich habe in der Nachbarschaft eine jung Dame, die gerade den Beruf der Altenpflegerin erlernt. Darüberhinaus zählt zu meinem Freundeskreis eine Dame, die in der Krankenpflege beschäftigt ist. Beide sagen unisono, es sei nicht die schlechte Bezahlung, die sei durchaus in Ordnung. Aber die Arbeit, fast die Hälfte der Arbeitszeit geht durch Verwaltungsaufgaben verloren. Ob ich dafür hochausgebildetes Pflegepersonal brauche, darüber brauchen wir definitiv nicht zu streiten.

Die Aufgaben der Krankenhäuser

Bei den Krankenhäusern müssen wir zwei Aufgabenfelder unterscheiden. Das eine ist die Allgemeinmedizin. Hiermit meine ich Operationen im Bereich von Krebserkrankungen. Oder auch Operationen bei Bänder oder Knorpelverletzungen, die man sich typischerweise bei Sportunfällen zuzieht. Auch Vorsorgemaßnahmen gehören sicherlich in diesen Bereich. Medizinischem Fachpersonal fällt da mit Sicherheit noch vieles ein

Dem gegenüber gibt es aber auch die Notfallmedizin. Da spielen dann tatsächlich schwere Unfälle mit lebensbedrohlichen Auswirkungen eine Rolle. Aber auch Herzinfarkte, Schlaganfälle oder ähnliches. Dafür müssen medizinische Ressourcen vorgehalten werden, die möglicherweise eine Zeitlang nicht genutzt werden. Sie kosten aber trotzdem Geld. Es gibt allerdings durchaus Kalkulationen, die dafür sorgen, dass es ein gewisses Gleichgewicht gibt. Daher kommt ja die Forderung der Unternehmen, dass im Durchschnitt 80% der Betten belegt sein müssen.

Die Finanzierung

Das, was ich unter Allgemeinmedizin beschrieben habe, lässt sich von der Verwaltungsseite ziemlich gut kalkulieren. Dieser Bereich dürfte auch durchgehend kostendeckend sein.
Im Notfallbereich sieht das ganz anders aus. Hier muss das Unternehmen ins Blaue hinein planen. In der Regel gibt es da aber engen Kontakt zur Katastrophenschutzbehörde (Landkreis oder Kreisfreie Stadt), wo dann ziemlich genau festgelegt wird, wieviele Betten das Unternehmen vorhalten muss.

Aber wer bezahlt für diese Notfallbetten? Das Unternehmen wird das natürlich gerne vermeiden. Und dem Grundsatz nach ist Notfallplanung auch Sache der Kreise. Eigentlich müssten die dafür bezahlen. Tun die aber höchst ungern. Also schlägt man auf die Fallpauschalen noch etwas drauf und versucht so die Reservebetten zu finanzieren. Man spricht da von einem Deckungsbeitrag, wenn ich mich nicht irre.
Wenn dann aber aufgrund von Personalmangel komplette Stationen stillgelegt werden müssen, funktioniert das ganze System nicht mehr. Nicht belegte Betten erwirtschaften auch keinen Deckungsbeitrag.

Karl Lauterbach kommt steil aus der Kurve

Und so geht das System mit den Fallpauschalen so allmählich in die Grütze. Das musste nun auch der Karl Lauterbach erkennen. Jetzt tönt Karl, dass man weg muss von diesen Fallpauschalen. Er vergisst dabei aber, dass er einer der Hauptberater der damaligen Gesundheitsministerin Ulla Schmidt war, als diese Fallpauschalen eingeführt wurden.
Wie dem auch sei. Er will also jetzt eine Grundfinanzierung für Krankenhäuser einführen. Hier sollen die Krankenhäuser Geld bekommen ohne zunächst eine Leistung erbringen zu müssen. Das wird in vielen Medien jetzt zerissen.
Ich halte das aber nicht einmal für falsch. Wer erwartet, dass in einem Notfall wie die vergangene Pandemie ausreichend Betten zu Verfügung stehen, der muss auch für die Notfallbetten bezahlen. Das gilt logischerweise auch für Intensivbetten. Wer jetzt beklagt, dass „wichtige“ Operationen wegen Coronas verschoben werden mussten, der sollte sich auch fragen, warum nicht im Vorfeld Notfallbetten bereitgehalten und bezahlt worden sind.

Mein Lösungsansatz

Für die Allgemeinmedizin halte ich das Verfahren mit den Fallpauschalen durchaus für sinnvoll. Für Notfallvorsorgemaßnahmen muss dann aber ein Schlüssel gefunden werden, wie man die bereit gehaltenen Ressourcen bezahlt. Möglicherweise müssen da auch Mittel vom Katastrophenschutz und den Krankenkassen bereitgestellt werden. Sollten in einem Notfall diese Betten belegt werden, dann zieht natürlich wieder die Fallpauschale.

Warum klappt das aber bei Autowerkstätten?

Die haben den Vorteil, dass es eigentlich keine Notfälle gibt. Kommt da ein Auto in die Werkstatt, dann kann das auch warten. Dem Kunden stellt man unter Umständen dann einen Ersatzwagen zu Verfügung. Bei Unfällen bezahlt den möglicherweise sogar die Versicherung. Das kann man aber bei einem Schlaganfall nicht machen. der muss sofort behandelt werden. Da gibt es eben keine Ersatzoma. Eigentlich logisch, oder.

Wo sehe ich das Hauptproblem?

Ich glaube nicht, dass die Krankenhausfinanzierung das große Problem ist. Wenn man sieht, was für Unsummen für eine völlig unsinnige Impfwerbung rausgefeuert werden, dann sollte auch noch genügend Geld für eine Krankenhausfinanzierung da sein.
Karl, da musst du jetzt stark sein. Das Thema hat jetzt nichts mehr mit Corona zu tun. Das ist schwere Arbeit, die keiner sieht. Da musst du jetzt halt durch.

Also, die Krankenhäuser jetzt mit Geld zuschütten bringt wenig, wenn kein Personal kommt. Eigentlich brauchen wir Arbeitskräfte und eben nicht Geld. Das ist aber ein anderes Thema.

Eine letzte Überlegung noch

Man muss sich auch überlegen, ob wirklich jeder Kreis in seinem Krankenhaus alle möglichen Leistungen erbringen muss. Ist es vielleicht möglich, sogenannte Fachzentren einzurichten. Teilweise gibt es die schon. Als meine Tochter sich mal einen Kreuzbandriss zugezogen hat, hat sie im Internet nach einer entsprechenden Fachklinik gesucht. Sie hat in Hannover auch eine gefunden. Da waren Ärzte, die eigentlich nichts anderes operierten als Sportverletzungen. Für ihren Fall war sie da deutlich besser aufgehoben als im hiesigen Kreiskrankenhaus. Eine Spezialisierung halte ich durchaus für sinnvoll. Auch wenn die Wege für die Patienten dann unter Umständen länger werden.

Fazit

Das Problem mit der Krankenhausfinanzierung halte ich für lösbar. Und dass bei immer knapper werdendem Personal nicht mehr jeder Arzt vor der Haustür ist, sollte jedem klar sein. Ich halte durchaus viel von sogenannten Facharztzentren.

Was uns als Patienten aber auch einmal bewusst werden sollte. Müssen wir wirklich wegen jedem Kinkerlitzchen zum Arzt rennen? Sind wir hier nicht von einem überbordenden Gesundheitssystem verwöhnt? Und vor allem muss es am Wochenende sein. Die Wochenendbereitschaft ist eine Notfallbereitschaft, und mehr sollte sie auch nicht sein!

Was allerdings auch noch zu lösen ist. Kann man den Therapeuten nicht mehr Befugnisse zugestehen. Ich habe das doch oben für Physiotherapeuten und Hebammen beschrieben. Da könnte man Ressourcen sparen, die dann an anderer Stelle wesentlich besser zur Geltung kämen. Gerade in der Orthopädie sehe ich da Möglichkeiten ohne Ende.

Es gibt viel zu tun, warten wir es ab…

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