Erst zerstört man den Konzern – dann hat man tolle Ideen
„Es ist oft lediglich unserer vornehmen Zurückhaltung geschuldet, manchen so benannten ordnungsgemäßen Ablauf nicht als himmelschreiende Absurdität zu bezeichnen.“
Daniel Büttrich, Autor
VW geht den Bach runter
Dass es VW nicht gut geht, ist nicht neu. Die Gründe sind vielfältig, möglicherweise hat auch das Management schwerwiegende Fehler gemacht. Aber der Umstieg auf die E-Mobilität dürfte gewaltig zum Niedergang des Unternehmens beitragen.
Jetzt drohen massenhaft Entlassungen, sogar von Werksschließungen ist schon die Rede. Das wird mit Sicherheit auch Einfluss auf Wolfsburg und somit auf Niedersachsen haben. Es droht Arbeitslosigkeit.
Da stellt man sich die Frage, warum VW da nicht gegengesteuert hat? Natürlich hat da auch die EU die Hand im Spiel. Aber die ist nicht alleine schuld. Auch die deutsche Politik ist nicht unschuldig, hat sie sich doch nicht gegen diese europäische Fehlentwicklung gestellt. Im Gegenteil, sie hat den „Green Deal“ sogar noch befeuert.
VW als Staatsbetrieb
Ich behaupte in Diskussionen immer wieder, dass VW ein Staatsbetrieb sei. Mir wird dann entgegengehalten, dass VW eine Aktiengesellschaft sei. Das ist durchaus richtig. Aber das Land Niedersachsen hält gut 20 Prozent aller VW-Aktien. Da wird mir dann wieder entgegnet, dass 20 Prozent nicht zu einer Mehrheit im Aufsichtsrat ausreichen. Auch das ist richtig. Allerdings hat man im VW-Gesetz dem Land Niedersachsen eine sogenannte Sperrminorität eingeräumt. Das heißt, ohne die Zustimmung des Landes geht bei VW nichts. Die Vertreter des Landes können also jedes Vorhaben des Aufsichtsrates torpedieren. Ohne Zustimmung des Landes geht nichts. Und damit ist VW ein Staatsunternehmen.
E-Mobilität
Hätte der Konzern also Einfluss auf die E-Mobilität nehmen können? Eigentlich nicht. Der Vorstand des Unternehmens unterliegt den Beschlüssen des Aufsichtsrates. Dort sitzen dann auch die Vertreter der niedersächsischen Landesregierung, die jeden Beschluss ablehnen können. Sie können sich also sicher sein, dass Beschlüsse, die gegen den rot-grünen Mainstream wirken, keine Chance auf Erfolg haben. Und Niedersachsen wird seit Jahren von Rot-Grün regiert. Es gibt also Aufsichtsratsmitglieder, die den Grünen zuzuordnen sind.
Dadurch wurde VW gezwungen, nahezu alles auf die Karte E-Mobilität zu setzen. Problem ist nur, die Autos wollte keiner kaufen. Selbst hohe Subventionen haben E-Autos für die Kunden nicht schmackhaft gemacht. Und so hat VW Autos am Markt vorbei produziert. Das führt logischerweise zu erheblichen Gewinneinbrüchen. Die logische Konsequenz ist die Reduzierung von Produktionskapazitäten.
Ersatzlösungen
Man muss in diesen Werken also was anderes produzieren. Für das Werk Osnabrück, ich habe dazu kürzlich berichtet, sollen zukünftig Rüstungsgüter produziert werden. Das dürfte den Konzern allerdings nicht retten, da die Stückzahlen durchaus begrenzt sein dürften. Also sucht man noch nach anderen Lösungen.
Die tolle Idee von Olaf Lies
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies ist nun mit einer tollen Idee aufgetreten. Der meinte nämlich kürzlich, man könne in den Fabriken ja chinesische Autos bauen. Die seien doch gefragt, und so könne man dann wenigstens die Arbeitsplätze retten.
Wie ich schon oben gesagt habe, Politiker fürchten Arbeitslosigkeit wie der Teufel das Weihwasser. Und dann kommen schon mal solche Ideen zum Vorschein.
Die Absurdität dieser Idee
Wenn man sich nun mit dieser Idee auseinandersetzt, dann kann man nur feststellen, wie idiotisch die ist.
Chinesische Autos werden nur deshalb besser verkauft, weil sie billiger sind als vergleichbare Europäer. Und billig sind die deshalb, weil die Rohstoffe an den chinesischen Fabriken billiger und schneller verfügbar sind. Dazu kommen noch die deutlich geringeren Energie- und Lohnkosten. Würde man jetzt diese Autos in ehemaligen VW-Werken in Deutschland produzieren, wären all diese Vorteile weg. Die “chinesischen“ Autos wären also genau so teuer wie die vergleichbaren deutschen Fahrzeuge. Und damit wären sie genauso schlecht absetzbar wie die europäischen Kollegen.
Es gibt aber noch einen zweiten Grund für die Chinesen, nicht in Deutschland zu produzieren. Auch China ist zeitweise auf diesen E-Mobilitätszug aufgesprungen. Mittlerweile sind da auch schon unzählige Unternehmen wieder vom Markt verschwunden. Trotzdem besteht in China eine erhebliche Überproduktion an E-Autos. Auch in China scheint der Markt derzeit gesättigt. Und so versucht China diese Überproduktion auf dem Weltmarkt zu verklappen. Europa bietet sich mit seiner idiotischen und ideologischen grünen Politik dafür geradezu an. Warum sollte man dann dem eigenen Markt noch eine künstliche Konkurrenz in Europa aufbauen? Das werden die Chinesen nicht tun. Zumindest nicht in Deutschland. Ungarn könnte da schon eine andere Hausnummer sein. Denn die verstehen was vom Geschäft.
Zusammenfassung
Die Politik merkt, dass da was den Bach runtergeht. Und jetzt greift man nach jedem Strohalm. Und dann kommt man auf Ideen, die nur so vor Schwachsinnigkeit strotzen. Olaf Lies ist dabei ein ganz besonderer Kandidat. Nachdem er schon die Meyer-Werft in Papenburg zu einem Millionen-Grab gemacht hat, setzt er das jetzt bei VW weiter fort. Die Idee in VW-Werken chinesische Autos zu produzieren, ist in meinen Augen jedenfalls nur blinder Aktionismus. Man will sich am Ende ja nicht sagen lassen, man habe nicht alles versucht.