Wer uns so alles fragen muss

Das Problem der deutschen Rüstung

„Wichtigtuer sind zwar zu gut erzogen, um mit vollem Mund zu sprechen. Aber sie haben keine Bedenken, es mit leerem Kopf zu tun.“
Erich von Däniken

Eine kleine Geschichte vorweg

Stellen sie sich mal vor, sie kaufen ein Auto aus Frankreich. Also beispielsweise einen Renault. Und jetzt wollen sie den nach möglicherweise vier Jahren weiterverkaufen. Wohin ist eigentlich egal. Nehmen wir mal die Bulgarien. Und jetzt steht ihr Auto unter einem Vorbehalt. Sie müssen nämlich die Franzosen fragen, ob sie das Auto nach Bulgarien verkaufen dürfen. Und jetzt können sich die Franzosen und die Bulgaren nicht so richtig leiden. Und daher verbieten die Franzosen ihnen, das Auto dorthin zu verkaufen.

Die Geschichte mit den Leos

Sie glauben, das sei doch alles sehr theoretisch? Erinnern sie sich mal an das Geeiere, als die Leo 2 in die Ukraine abgegeben werden sollten. Da wollten die Niederländer ihre Leos abgeben. Da die aber aus deutscher Produktion stammten, mussten die Niederländer sich tatsächlich die Genehmigung bei den Deutschen einholen. Um es nochmals deutlich zu machen, die Leos gehörten den Niederländern. Die waren nicht geleast, die waren verkauft.

MiG 29 für die Ukraine

Das Gleiche passiert jetzt wieder mit fünf Kampfflugzeugen des Typs MiG-29 (Fulcrum). Die will Polen an die Ukraine abgeben. Blöd ist nur, dass diese Flugzeuge aus Deutschland stammen

MiG-29 (Fulcrum)

Diese Geschichte wird aber noch viel skurriler. Denn diese Flugzeuge sind zum einen Modelle russischer Bauart und stammen zum Zweiten aus Restbeständen der NVA. Und sie wissen sicherlich noch, dass die NVA nach 1989 in die Bundeswehr integriert worden ist. Wer von Übernahme spricht, dürfte auch nicht ganz falsch liegen.

Da sich die Bundeswehr nicht in russische Abhängigkeit begeben wollte, hatte man für diese hochwertigen Kampfflugzeuge keine Verwendung mehr. Also hat man sie bereitwillig an die Polen verkauft, die dieses Modell ja schon in den eigenen Streitkräften betrieb.

Aber jetzt, wo diese Flugzeuge an die Ukraine weitergereicht werden sollen, müssen die Polen erst mal die Deutschen fragen. Okay, die Genehmigung wurde in diesem Falle schnell erteilt. Viel schneller als das beim Leo der Fall war. Aber das ganze Prozedere ist in meinen Augen absurd.

Ich fasse das mal zusammen

Es geht um, Flugzeuge russischer Bauart. Diese Flugzeuge hat die Bundeswehr eigentlich durch die Übernahme der NVAS erbeutet. Diese Beutegerät hat sie dann den Polen verkauft. Polen will diese Geräte an die Ukraine weitergeben. Was eigentlich schlau ist. Denn die MiG-29 existiert auch in der ukrainischen Armee. Eigentlich alles gut. Aber weil die Teile mal den Deutschen gehört haben, muss man vor der Übergabe die Deutschen um Genehmigung bitten. Wenn ich Polen wäre, ich würde den Deutschen vor den Koffer scheißen. Und wenn das die Deutschen stört, dann kaufe ich mein Material halt wo anders.

Merkwürdigkeiten

Merkwürdig sind solche Genehmigungen alle mal. Leos wurden beispielsweise auch nach Saudi-Arabien verkauft. Dass die aber unsere Werte teilen, ist dann doch eher ein Gerücht.
Und schauen wir uns einmal die Türkei an. Die sind zwar Nato-Partner, aber die treten die gemeinsamen Werte des Bündnisses in letzter Zeit doch deutlich mit Füßen. Und trotzdem verfügen die über eine große Anzahl von Leo 1 und 2. Und dass die Türken dieses Gerät auch vorbehaltlos gegen die Kurden einsetzen, das ist nicht neu. Erdogan lässt grüßen. Ich glaube auch nicht, dass die Türken uns fragen werden, wenn sie die Dinger weiter verkaufen wollen.

Das Problem in der Rüstung

Solche Vorbehalte haben natürlich auch Einfluss auf die deutsche Rüstungsindustrie. Da wollen andere Nationen in Deutschland Waffen kaufen. Und die Unternehmen müssen dann erst einmal fragen, ob sie ihre Produkte überhaupt dorthin verkaufen dürfen.
Dem Grunde nach kann ich das ja sogar nachvollziehen. Da spielen Geheimhaltungsgründe eine Rolle. Und ich will ja einen potentiellen Gegner nicht mit eigener Technik stark machen. Aber wenn ich einer befreundeten Nation solche Produkte verkauft habe, dann muss es auch mal gut sein.

Geringe Produktionszahlen

Durch diese starken Vorbehalte kommt es dann natürlich auch zu geringen Produktionszahlen. Auch die Weiterentwicklung von Produkten geschieht nur nach Auftrag. Warum soll man auch neue Produkte entwickeln, wenn zu befürchten ist, dass man sie im Nachhinein nicht verkaufen darf. Das macht die Rüstungsindustrie natürlich träge.
In der Vergangenheit kam noch dazu, dass viele Nationen ihre Streitkräfte deutlich verkleinert haben. Auch das hat natürlich einen erheblichen Einfluss auf die Rüstungsindustrie gehabt.

Die Folgen

Unsere Regierung kann diese Auswirkungen natürlich deutlich spüren. Jetzt, wo bestimmte Rüstungsbetriebe ihre Kapazitäten deutlich steigern müsste, sind sie nicht dazu in der Lage. Es fehlen die Fachkräfte, es fehlen die Produktionsstätten, es fehlt an allem. Und natürlich fehlt auch der politische Wille. Solange keine klaren Aufträge von der Politik kommen, werden sich die Rüstungsbetriebe hüten, Kapazitäten aufzubauen. Bei Munition ist das derzeit besonders auffällig.
Da schenkt man der Ukraine Waffen, und dann kann man nicht die nötige Munition liefern. Das ist schon ein starkes Stück.

Wie hilft sich die Industrie

Nun, das ist eigentlich ganz einfach. Wenn Rüstungsbetriebe zukünftig im Ausland produzieren, dann gelten natürlich die dortigen Regelungen.

GTK Boxer

So werden derzeit schon Teile des GTK Boxer, einem Mehrzweckfahrzeug, in Australien gefertigt. Und wenn man das dort gefertigte Fahrzeug verkaufen will, dann gelten die australischen Regeln.
Natürlich spielen da auch noch Faktoren wie political Correctness, Nachhaltigkeit und Moral eine Rolle. Und da hat die Rüstung nun mal nicht den besten Stand.

Und wir wissen ja, Deutschland ist Moralweltmeister und will es auch bleiben. Ich glaube nicht, dass wir da auf großen Widerstand treffen werden.

Resilienz

Um als Staat eine gewisse Widerstandskraft zu entwickeln, brauche ich nicht nur gut ausgestattete Streitkräfte. Nein, ich brauche auch eine funktionierende Rüstungsindustrie, die schnell in der Lage ist, ihre Produktion hochzufahren, um so bei Ausfällen schnell Ersatz zu schaffen. Insbesondere für Munition ist das wichtig.
Darüber hinaus muss auch ein Klima geschaffen werden, dass die Industrie ein Interesse daran hat, Produkte weiterzuentwickeln. Es kann nicht sein, dass es manchmal Jahre dauert, bis ein neues Gerät in die Truppe eingeführt wird.

Zusammenfassung

Restriktionen und Minderbedarf haben dazu geführt, dass unsere Rüstungsindustrie nur noch ein Schatten ihrer selbst ist. Jetzt, wo Russland sein wahres Gesicht gezeigt hat, stellt man erschüttert fest, dass nicht nur das Militär, sondern auch die Rüstungsindustrie am Boden ist. Von der angekündigten Zeitenwende ist bisher noch nichts zu spüren.

Aber auch die Truppe selbst muss sich einen Vorwurf gefallen lassen. Die suchen nämlich bei jedem neuen Gerät die Goldrandlösung. Das macht die Entwicklung und Einführung von Material erheblich zeitaufwändiger.
Es gibt viel zu tun, lassen wir es sein…

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