Der Fall Folarin Balogun
„Nur, wenn wir diese Dinge gar zu ernst nehmen´, gibt es Aufregung und Streit.“
Voltaire
Ein Rückblick
Letzten Donnerstag spielten Die USA gegen Bosnien. Dabei kam es zu einem heftigen Foulspiel durch den Amerikaner Folarin Balogun. Nach Überprüfung durch den VAR (Video Assistance Referee) verhängte der Schiedsrichter die Rote Karte.
Ich habe mir den Videoausschnitt angesehen und halte die Rote Karte durchaus für angebracht. Das spielt hier aber keine Rolle.
Dem Regelwerk entsprechend ist der Spieler im Anschluss für ein Spiel automatisch gesperrt.
Jetzt soll Trump sich bei Infantino beschwert haben, das wird von beiden Seiten bestätigt. Daraufhin ist der Fall an den Disziplinarausschuss der FIFA weitergeleitet worden, der die Sperre auf Bewährung ausgesetzt hat. Das ist zwar bei solchen Sperren unüblich, aber dennoch möglich.
Die Aufregung in den Medien ist natürlich riesengroß.
Die Welt ist vergesslich
Ich verstehe in diesem Zusammenhang die ganze Aufregung nicht. Denn bei einer der letzten Fußballweltmeisterschaften gab es einen ähnlichen Fall. Da wurde auch eine Rot-Sperre auf Bewährung ausgesetzt. Damals gab es nicht die geringste Aufregung. Der Betroffene war nämlich Christiano Ronaldo, der berühmte CR7. Naja, mit der Heulsuse muss man natürlich Mitleid haben. Und außerdem kann man so einen Superstar doch nicht so hart bestrafen. Halten wir also fest, es gab schon so einen Fall, und da gab es nicht die geringste Aufregung.
Jetzt waren aber Trump und Infantino beteiligt. Und da muss man natürlich die Bewertung anpassen, gelten die beiden doch als die Inkarnation des Bösen.
Der Fußball ist in Gefahr
Was kommen jetzt für schwachsinnige Aussagen. Jetzt sieht man wieder einmal den Sport in Gefahr. Jetzt würde der Fußball doch ein reines Geschäft. Da fällt mir nur der Begriff „Schnellmerker“ ein. Seit mindestens 50 Jahren ist der Fußball ein reines Geschäft. Sie müssen doch nur einmal sehen was die Fernsehsender für Übertragungsrechte zu zahlen bereit sind. Und das gilt doch nicht nur für Fußballweltmeisterschaften. Schauen sie doch einfach mal in die Bundesliga. Dann merken sie schnell, dass das kein Sport mehr ist, sondern knallhartes Geschäft.
Sind wir doch mal ehrlich. Glaubt irgendeiner, dass das die Fans vom Stadionbesuch abhält? Glaubt irgendeiner, dass nur ein einziger Zuschauer dem danach folgenden Spiel der Amerikaner ferngeblieben ist? Dass durch so eine Fehlentscheidung der Fußball in Gefahr sei ist genau so ein Märchen, wie das vom menschengemachten Klimawandel.
Wir Deutschen sollten vorsichtig sei
Jetzt sind wir Deutschen ja ganz besonders gut, wenn es um moralische Entrüstung geht. Nur, wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen schmeißen.
Ich erinnere mich noch allzu gut an eine Wahl zum Ministerpräsidenten in Thüringen, der von der damaligen Kanzlerin Merkel rückgängig gemacht wurde, weil er mit den falschen Stimmen gewählt wurde.
Ich betone, da wurde eine rechtmäßige demokratische Wahl rückgängig gemacht. Ein Hammer eigentlich. Nur aufgeregt haben sich damals nur Wenige. Dagegen ist doch die Aussetzung einer Sperre auf Bewährung eher eine Lachnummer. Aber in Deutschland zählt ja nicht was gemacht wird, sondern wer es macht. Also Merkel ist immer gut und Trump ist immer böse.
Die Auswirkungen
Folarin Balogun ist bei der US-Mannschaft einer der wichtigen Spieler. Sein Ausfall hätte die Mannschaft erheblich geschwächt. Es ist also durchaus nachvollziehbar, dass die Belgier, die hatten das nächste Spiel gegen die USA, sich dadurch benachteiligt fühlten.
Aber sind wir auch hier einmal ehrlich. Haben die USA bei Fußballweltmeisterschaften jemals eine größere Rolle gespielt? Nein, Fußball oder „Soccer“, wie es in den USA heißt, ist dort eher eine Randsportart. Bei den Frauen sieht das allerdings anders aus.
Und wenn dann eine europäische Spitzenmannschaft gegen die aufläuft, dann macht man die platt, egal mit wem die auflaufen. Am Ende ist es genau so gekommen. Die Belgier schlagen die US-Amerikaner standesgemäß mit 4:1.
Zurück zu den Auswirkungen, auf dem Platz gab es keine. Nur die Moralapostel standen wieder einmal kurz vor einem Herzinfarkt.
Der Streisand-Effekt
Hätte man den Vorfall mal kurz angesprochen und dann ruhen lassen, dann wüsste heute keiner mehr, was da eigentlich losgewesen ist. So wird da wieder einmal eine Banalität breitgetreten ohne Ende. Klar ist, auf diese Weise kann man von den eigentlich wichtigen Problemen ablenken. Wie beispielsweise von der geplanten Neuverschuldung in Höhe von 200 Mrd. Euro im kommenden Bundeshaushalt. Das wäre für mich deutlich wichtiger als so eine Scheiße mit einer roten Karte.
Zusammenfassung
Ich halte die rote Karte für Balogun durchaus für gerechtfertigt. Auch eine Sperre halte ich für richtig. Dass diese nun auf Bewährung ausgesetzt wurde ist zwar ungewöhnlich, aber aufgrund des FIFA-Regelwerks möglich. Dass es sich hierbei möglicherweise um ein Entgegenkommen gegenüber der Gastgebernation handelt, tut meines Erachtens der Sache keinen Abbruch.
Das Achtelfinalspiel haben die Amerikaner nun trotzdem verloren, das war auch erwartbar. Die Belgier sind weiter. Und eigentlich sollte dieser Sachverheilt keine Maus mehr hinter dem Ofen vor locken.
Nicht so in Deutschland, eignet sich der Sachverhalt doch so gut für ein weiteres Trump-Bashing.
Der Link zum Sportschaubericht
In diesem Link finden sie auch den Videoclip zum Foulspiel