Wieder einmal ein schwacher Vergleich beim ÖRR
„Wir vergessen, dass der Kreislauf des Wassers und des Lebens eins ist.“
Jacques-Yves Cousteau
Manchmal reicht die Vorschau
Es gibt Tage, da ist es ausreichend eine Vorschau zu sehen und zu der Erkenntnis zu kommen, dass man den Film oder die Dokumentation nicht mehr anschauen muss.
Das ist mir letzte Woche passiert. Da hat ARD oder ZDF auf eine Sendung hingewiesen, die sich des Themas Wasser annehmen sollte. Auf dem zweigeteilten Trailer Bild war ein schöner blauer Pool abgebildet, daneben ein Landwirt, der auf einem staubigen Feld gearbeitet hat. Die Frage dazu lautete, ob wir uns den Luxus solcher Pools überhaupt noch leisten können. Wasser sei knapp, der Grundwasserspiegel sinke stetig usw., usw.
Mal abgesehen davon, dass ich den Schwachsinn mit dem Grundwasser nicht glaube, so glaube ich auch, dass hier einiges an Größenordnungen nicht verstanden ist.
Daher will ich heute wieder einmal mit ihnen rechnen. Nichts Besonderes, Schulwissen sechste Klasse. Mehr nicht.
Zunächst Größenordnungen
Wenn man mit großen Wassermengen arbeitet, dann nutzt man die Größenordnung Kubikmeter (m3). Ein Kubikmeter enthält 1.000 Liter. In Meter ausgedrückt sind das 1.000 Kubikdezimeter (dm3).
Für unsere weiteren Betrachtungen ist auch die Umrechnung in Kubikzentimeter notwendig.
Ein Liter (dm3) besteht also aus 10cm x 10cm x 10cm = 1.000cm3. Ein Kubikmeter besteht aus 100cm x 100cm x 100cm = 1.000.000cm3
Mein Gießbedarf
Ich habe einen Garten mit 9 Beeten. Jedes Beet hat eine Fläche von 4m x 1,2m, also knapp 5 Quadratmeter. Bei großer Trockenheit gieße ich täglich pro Beet etwa vier bis fünf Gießkannen. Also etwa 50 Liter pro Beet. Das macht insgesamt 450 Liter. Gott sei Dank muss ich das nicht alles mit der Hand machen, ich habe einen Sprenger.
Was wir uns aber merken müssen, das sind gerade einmal 10 Liter pro Quadratmeter.
Aber wieviel ist das? Umgerechnet sind das 10 Liter pro Quadratmeter. Und da will ich mal die Wassersäule über dem Boden errechnen.
10.000cm3 (10 Liter) : 10.000 cm2 (1 Quadratmeter) = 1cm. Auch das sollten wir uns merken. 10 Liter pro Quadratmeter bedeutet letztlich gerade einmal 1cm Wasser für den Boden.
Der Bedarf eines Fußballfeldes
Um den Rasen frisch zu halten, sollte der auch gewässert werden. Gehen wir davon aus, dass das mit der entsprechenden Wassermenge in meinem Garten geschehen muss.
Ein Fußballfeld ist etwa 120 Meter lang und 90 Meter breit. Das entspricht einer Fläche von 10.800 Quadratmetern. Das ist in etwa ein Hektar (10.000 m2). Der Einfachheit halber wollen wir damit weiterrechnen.
Wenn ich den mit 10 l/qm bewässern will, dann brauche ich insgesamt 10.000 Liter Wasser, also 10 Kubikmeter. Um den Rasen frisch zu halten, braucht man wahrscheinlich sogar viel mehr. Und das mindestens dreimal die Woche. Wie es aussieht, wenn man das nicht tut, kann man an meinem Garten sehen. Den Rasen wässere ich nämlich nicht.
Vergleiche
Ich habe einen Pool, der ist 1,30 m hoch und hat einen Durchmesser von etwa 5 m. Den Rauminhalt können sie sich selbst berechnen. Ich mache den Pool nie ganz voll. Er fasst derzeit etwa 15 m3. Das heißt, wir könnten damit maximal zwei Fußballfelder einmalig bewässern.
Nehmen wir jetzt einmal ein Schwimmbad von internationaler Größe. Solche Bäder haben 8 Bahnen a 2,5m, sind 50m lang und 2m tief. Der Rauminhalt beträgt (2,5m x 8) x 50m x 2m = 2.000 Kubikmeter. Mit diesem Wasserinhalt könnte ich 200 Fußballfelder einmalig bewässern. Wenn ich dreimal die Woche bewässern will, dann reicht es gerade einmal für gut 60 Felder.
Die Landwirtschaft
Die durchschnittliche Größe eines Landwirtschaftlichen Betriebes in Deutschland beträgt etwa 66 Hektar. Für unser Bewässerungsbeispiel hieße das, mit einer Schwimmbadfüllung könnte er dreimal gießen. Und dann ist Schluss.
Von diesen landwirtschaftlichen Betrieben gab es 2023 etwa 251.000. Leider weiß ich nicht, wieviel Schwimmbäder es in Deutschland gibt. Im Landkreis Nienburg gibt es meines Wissens drei. Für die umfangreiche Landwirtschaft wäre diese Wassermenge noch nicht einmal der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein.
Noch so eine Berechnung. 251.000 Betriebe mal 66 Hektar ergibt einen täglichen Bewässerungsbedarf von 16.566.000 Kubikmeter Wasser für eine Bewässerung. Da braucht es schon einiges an Schwimmbädern.
Noch eine Anmerkung
Die Landwirtschaft braucht diese Wassermengen Tag für Tag. Ein Schwimmbad braucht die in der Regel einmal im Jahr. Danach wird das Wasser aufbereitet. Geringfügige Ergänzungen in Folge der Verdunstung müssen natürlich berücksichtigt werden. Aber soviel ist das nicht.
Dass Wasserwerke zur Sparsamkeit aufrufen, weil sie mit der Aufbereitung nicht nachkommen, ist in solchen Hitzeperioden aber nachvollziehbar.
Grundwasser
In diesem Zusammenhang wird gerne behauptet, dass der Grundwasserspiegel massiv falle. Das mag in Einzelfällen sogar stimmen. Da wo ich wohne, trifft es allerdings überhaupt nicht zu. Nur weil es einmal drei Tage nicht regnet, fällt das Grundwasser nicht. Der Grundwasserspiegel reagiert deutlich langsamer. Ein mir bekannter Brunnenbauer hat sogar einmal gesagt, dass da, wo das Grundwasser deutlich sinkt, in der Regel nicht der fehlende Regen die Ursache ist. Da spielen Bebauung und andere Dinge eine sehr viel größere Rolle.
Schlussbemerkung
In langen Trockenphasen kann es durchaus zu Wasserknappheit kommen. Das Problem ist dabei nicht einmal die verfügbare Wassermenge, sondern vielmehr die Frage der Aufbereitung. Die Leistung der Wasserwerke ist sehr wohl begrenzt. Da aber Poolbesitzer ihre Pools nicht erst in der Trockenphase befüllen, da soll das Wasser nämlich schon warm sein, dürften die bei der Problematik überhaupt keine Rolle spielen.
Ich kann ihnen nur empfehlen, glauben sie dieser Panikmache nicht. Genießen sie weiterhin ihren Pool. Und wenn sie das Wasser aus einem Brunnen gewinnen, das dauert, bis der versiegt.
So, mir ist es jetzt ziemlich warm. Ich gehe jetzt in den Pool. Der hat mittlerweile 28 Grad. Wirklich erfrischend ist das auch nicht mehr. Aber was soll es.