Ein Expertenrat ohne digitalen Sachverstand
„Der Erfolg bei der Schaffung effektiver KI könnte das größte Ereignis in der Geschichte unserer Zivilisation sein. Oder das letzte, es sei denn, wir lernen, wie man die Risiken vermeidet.“
Stephen Hawking
KI – das neue Zauberwort
Alle Welt redet von KI. Viele glauben, mit KI würden sich alle Probleme in Null-Komma-Nix lösen lassen. Was sie dabei aber immer vergessen, KI lebt nicht von Luft und Liebe. KI benötigt unglaubliche Mengen an Energie, und die ständig. Angebotsorientierter Stromverbrauch, wie ihn die Grünen propagieren, wird da nichts bringen. In den USA kaufen und bauen Unternehmen, die große Rechneranlagen installieren wollen, eigens dafür eigene Kraftwerke. In der EU hat man das allerdings noch nicht begriffen. Frankfurt musste beispielsweise feststellen, dass dort kein Rechenzentrum gebaut werden kann, weil die notwendige Strommenge nicht garantiert werden konnte.
Dazu noch eine kurze Bemerkung von mir. Sie dürften wissen, dass es für mich keine künstliche Intelligenz gibt. Denn Intelligenz beinhaltet auch die Fähigkeit, neue Dinge zu entwickeln, also Kreativität. Und genau das können Rechnersysteme nicht. Rechnersysteme arbeiten immer Reproduzierend. Im Gegensatz zu Menschen können sie allerdings wesentlich größere Datenmengen in kurzer Zeit verarbeiten. Mit Intelligenz hat das aber nur wenig zu tun.
Trotzdem will ich nicht bestreiten, dass die sogenannte „Künstliche Intelligenz“ die Menschen bei ihrer Arbeit unterstützen kann. Prinzipiell tut sie das schon. Schauen sie einfach mal in große Produktionshallen, was da schon vollautomatisch passiert. Oder in ein großes Logistikzentrum beispielsweise bei Amazon. Ich glaube nicht, dass zukünftig einfache Arbeiten noch von Menschen ausgeführt werden.
Der Ministerpräsident von Thüringen
Von Mario Voigt haben sie sicher schon gehört. Mal abgesehen, dass er wohl seinen Doktor-Titel aberkannt bekommen wird, ein entsprechendes Gerichtsverfahren ist noch nicht abgeschlossen, ist jetzt herausgekommen, dass ein Großteil seiner Reden durch KI generiert worden ist. Der schreibt also nicht einmal seine eigenen Reden selbst. Machen anderer auch nicht unbedingt, aber da sitzen dann wenigstens noch menschliche Schreiberlinge.
Ich will nicht verhehlen, dass Merz besser daran täte, die Reden von KI schreiben zu lassen. Aber das nur so am Rande.
Wenn man dann noch weiß, dass die Minister in eigener Verantwortung handeln, der Ministerpräsident eines Bundeslandes nicht einmal über eine Richtlinienkompetenz verfügt, dann darf man sich im Falle Voigt durchaus fragen, ob man auf dieses Amt verzichten kann. Die Reden schreibt eh die KI. Möglicherweise wäre das in diesem Fall sogar besser für das Land.
Digitalminister
Weil aber alles so wichtig ist, schaffen sich Bund und Länder eigens für dieses Aufgabenfeld Digitalministerien. In Hessen ist man mittlerweile soweit, dass das Justizministerium das „Forum KI“gegründet hat. Was immer das leisten soll, weiß ich nicht.
Dem Forum zugeordnet sind sogenannte Experten. Dem Grunde nach habe ich erwartet, dass man in so einer Expertengruppe hauptsächlich Informatiker findet. Und da heute bei MOMA so einer zu Wort gekommen ist, habe ich mal im Internet recherchiert, was das so alles für Leute sind. Ich werde ihnen die Links zu allen Experten anhängen. Näher beschreiben werde ich allerdings nur drei.
Der Interviewgast bei MOMA, Florian Möslein
Möslein wird bei Wikipedia als Rechtswissenschaftler vorgestellt. 1971 geboren machte er zunächst eine Ausbildung zum Bankkaufmann. Nur zu Erinnerung, da hatten wir schon mal so einen.
Ab 1991 studierte er Betriebswirtschaftslehre, fast zeitgleich begann er ein Studium der Rechtswissenschaften. Nachdem er 2001 sein Referendariat abgeschlossen hatte, war er in unterschiedlichsten Aufgaben unterwegs. Allerdings hat er wohl nie als Richter oder Anwalt gearbeitet. Er war wohl ausschließlich im Bereich Forschung und Lehre unterwegs. Dass er dabei auch von der Deutsche Forschungsgemeinschaft Fördermittel erhalten hat, passt in seinen Lebenslauf. Auch die vielen Auslandaufenthalte sind bemerkenswert, der ist ganz schön rumgekommen.
Gemäß Wikipedia liegen seien heutigen Forschungsschwerpunkte im Bereich Kapitalmarktrecht Bankrecht usw. Mit KI hat das aber alles nur wenig zu tun.
Ich frage mich also, was dessen Expertise im KI-Forum überhaupt wert ist.
Die Digitalministerin in Hessen
Was KI betrifft, sieht der Lebenslauf der Ministerin Kristina Sinemus kaum besser aus. Die hat studiert, Kommunikationswissenschaft, Pädagogik, Biologie und Chemie. Sie hat sogar Promoviert. Aber was das Thema „Biologische Risikoanalyse gentechnisch hergestellter herbizidresistenter Nutzpflanzen“ mit KI zu tun hat, wird wohl immer ihr Geheimnis bleiben.
Im September 2018 wählte man sie in den Rat für Digitalethik. Macht sicherlich Sinn, davon versteht sie bestimmt was. Seit Juli 2024 vertritt sie das Land Hessen im ZDF-Fernsehrat.
Dass sie überhaupt eine solche Karriere gemacht hat, dürfte im Wesentlichen an der Förderung durch den ehemaligen Ministerpräsident Hessens Volker Bouffier liegen.
Auch hier stellt sich die Frage, was die zu einem KI-Forum beitragen kann.
Weitere Mitglieder des Expertenbeirates
Auch Frauke Rostalski ist Rechtswissenschaftlerin. Wikipedia bezeichnet sie zudem als Rechtsphilosophin. Dass sie seit 2020 sogar Mitglied im deutschen Ethikrat ist, zeichnet sie sicherlich nicht für ein KI-Forum aus. Zeigt aber, dass sie wahrscheinlich linientreu ist. Im Hinblick auf zukünftige KI in Deutschland, dürfte von ihr kaum etwas zu erwarten sein.
Auch Henrik Wehrs ist kein Informatiker. Er hat einen Master of Business Administration und das erste juristische Staats Examen. Er arbeitet zwar in einem Unternehmen, was mit Digitalisierungsprojekten zu tun hat, betrachtet wohl aber ausschließlich die juristische Seite.
Dazu kommt noch Benno Quade als Vertreter aus dem Justizministerium. Über den habe ich leider nicht viel gefunden. Aber auch der schein Jurist zu sein.
Auch diese drei Kandidaten werden nur wenig zum Thema KI beitragen können.
Tobias Kehl
Kehl scheint der Einzige zu sein, der auch nur entfernt etwas mit KI zu tun hat. Auf der Seite Hessian.AI stellt er sich wie folgt vor: „Ich leite das vom BMWK geförderte Projekt AI Startup Rising, das darauf abzielt, die zentrale Unterstützungsplattform für KI-Startups in Hessen aufzubauen. Ursprünglich komme ich aus dem Maschinenbau, bringe mehrjährige Digitalisierungserfahrung mit und fühle mich an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft pudelwohl.“
Er leitet also ein politisches Programm, welches den Aufbau von KI-Startups fördern soll. Ob er wirklich etwas von KI versteht weiß ich nicht. Ich weiß auch nicht, in wieweit er wirklich mit KI gearbeitet hat. Er dürfte aber von all diesen Experten der sein, der noch am Meisten davon versteht.
Fazit
Wenn Politik über KI redet, dann ist davon auszugehen, dass dort nicht einmal die geringste Vorstellung vorhanden ist, um was es eigentlich geht. Leider zeigen auch solche Expertenbeiräte nicht in die richtige Richtung. Wenn es um Digitalisierung geht, und nichts anderes ist KI, dann sollten in solchen Expertengruppen auch Informatiker vortreten sein.
So wie das hier ist, handelt es sich um eine Laienspielgruppe. Ein Sprung nach vorne ist jedenfalls nicht zu erwarten. Und wie man so den Vorsprung der Amerikaner oder Chinesen aufholen will, dass ist das große Geheimnis unserer Politikdarsteller.
Ein Link
Beirat des Forum KI gegründet | Hessen Justiz